
Quelle: ch. wirtz

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Quelle: Pfarrbüro
der Maialtar in der Muttergotteskapelle, liebevoll gepflegt und geschmückt von Fanny Osswald.

Quelle: Pfarrbüro

Quelle: Archiv

Quelle: Fanny Osswald

Quelle: Fanny Osswald

Quelle: Fanny Osswald
Die Muttergotteskapelle (Unserer lieben Frau Stiftung, Dreifaltigkeitskirche)
Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 24.8.1960
„Die Gemeinde Neufra besitzt ein Kleinod, das in seiner Eindringlichkeit auf den Besucher einen starken Eindruck macht und auch den Heimatkundler begeistert und immer wieder in seinen Bann zieht.
Es ist die Muttergotteskapelle beim Gasthof „Lamm“. Reiche Kunstwerke zieren das stille und liebliche Kirchlein, das uns wie ein kleines Museum anmutet.
Die Kapelle wurde 1591 erbaut, von dessen Zweck eine Tafel am Chorbogen Auskunft gibt:
„Diese Capell ist zu Ehren der heyligsten Dreifaltigkeit, der Himmelskönigin Maria und dem ganzen himmlischen Heer zu Lob erbauet worden dem Frey Reichshochwohlgeborenen Herren Hanns Philipp Schaden Mittel-Biberach zu Warthaussen und auch seiner Gemahlin Margaretha Schadin, geborne Spethin von Zwyfalten.“
Diese Tafel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und hat noch vermutliche eine ältere Inschrift als Grundlage.
Das Hochaltarbild der Muttergotteskappelle
Die Muttergotteskapelle von 1591 in Neufra war ursprünglich als Dreifaltigkeitskirche geweiht worden. „O du hochheilige Dreifaltigkeit, erbarm dich über deine arme Christenheit“ lautet die Inschrift auf dem Schrein des Hochaltars.
Die Muttergotteskapelle ist eine von fünf Kapellen, die alle auf die Initiative der Freifrau Dorothea von Speth zu Zwiefalten, einer geborenen von Rechberg, zurückgehen.
Stifter und Erbauer der Kapelle war hingegen Dorotheas Schwiegersohn, der Reichsfreiherr Hans Philipp Schad von Mittelbiberach. Schad brachte von Biberach auch einen Baumeister mit, Hans Kutzberger, den er mit der mit Errichtung des 15 m langen und etwas über 6 m breiten Gotteshauses beauftragte.
Auch die Innenausstattung vertraute der Erbauer offenbar Biberacher Künstlern an. Fenster und Triumphbogen hat ein im damaligen Sinn „moderner“ Maler mit zeitgemäßem Renaissancedekor umrahmt: neben Roll- und Beschlagwerk sieht man florale und figürliche Motive, rechts ein Fresko.
Die Ostwand des Langhauses weist heute zwei Plastiken auf, die nicht aus der Erbauungszeit stammen. Links ist eine Muttergottes auf der Mondsichel aus der Zeit um 1500 aufgestellt (Höhe 125 cm), rechts steht ein Hl. Wendelin aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit Ochs und Schaf zu seinen Füßen (noch bis in die 50er Jahre standen hier barocke Seitenaltäre).
Das wertvollste Stück der Innenausstattung ist indessen der Hochaltar aus der Erbauungszeit der Kirche (datiert 1592). Es handelt sich dabei um einen schönen 138 cm hohen holzgeschnitzten, farbig und in Gold gefassten Schrein mit zwei bemalten Flügeln. Im Mittelschrein ist die Hl. Dreifaltigkeit in der Form des sogenannten Gnadenstuhls dargestellt: Gottvater, umgeben von Engeln, die die Leidenswerkzeuge tragen, hält im Schoß seinen gekreuzigten Sohn; darüber die Taube des Hl. Geistes. Die beiden vorn und hinten mit Tafelgemälden versehenen Seitenflügel dienen sozusagen als Portal zu der Bogennische, in der das kostbare Dreifaltigkeitsrelief steht.
Das Hochaltarrelief
Bei dem Neufraer Dreifaltigkeitsrelief handelt es sich um eine im Gesamteindruck noch eher spätgotische Darstellung (obwohl sie zeitlich aus der Zeit der Renaissance stammt).
Vorbild war letztlich Dürer Holzschnitt gleichen Themas aus dem Jahr 1511, ein Blatt, das im 16. Jahrhundert in hohen Auflagen verbreitet war. Der Schnitzer des Neufraer Altars hat – wie zahlreiche deutsche Maler und Bildhauer vor und nach ihm – den vorbildlichen Holzschnitt Dürers in freier Weise umgesetzt. Zwar behält er Zahl und Funktionen der Figuren im Wesentlichen bei: zwei Engel halten wie bei Dürer den Mantel Gottvaters, vier weitere präsentieren die Leidenswerkzeuge. Der Engel rechts unten ist besonders stark dem entsprechenden Dürerengel nachempfunden.
Deutlich von Dürer geprägt ist auch das mächtige Haupt Gottvaters mit der Papsttiara.
Der Altar war im 19. Jahrhundert verständnislos übermalt worden. Fidelis Marmon hat die ursprüngliche Bemalung mit den typischen Renaissance-Ornamenten wieder freigelegt.
Das Wichtigste und Erstaunlichste an der Kapelle ist jedoch die Bemalung der Wände, die von Sepp Lorch aufgedeckt und behutsam ergänzt wurden, ohne dass eine Übermalung vorgenommen wurde.
An der Westseite befinden sich zwischen Decke und Emporen Fußboden acht Apostel auf gemalten Sockeln stehend, mit Christus in der Mitte, je zwei weitere Apostel an den anschließenden Wandteilen der Süd- und Nordseite. Fast die ganze Südwand nimmt ein Passionszyklus von ursprünglich 24 Bildern in drei Streifen übereinander ein, von denen neuen wegen später hineingebrochener Fenster ganz und drei weitere zum Teil zerstört worden sind.
Zum Kirchenschatz gehören auch noch vier Holzplastiken, eine stehende Muttergottes und ein Heiliger Mauritius aus der Zeit der Spätgotik, ein Heiliger Wendelin und ein Heiliger Sebastian aus dem 18. Jahrhundert.
Auch die beiden kleinen Glocken haben Altertumswert. Die ältere trägt am Hals die Inschrift: „Sebastian und Lucas Vollmer in Biberach 1591“. Auf der einen Seite trägt sie das Bild einer Kreuzigungsgruppe. Die andere hat die Inschrift: „Jesus Nazarenus Rex Judaeorum. Leonhard Rosenlecher gos mich in Constanz. Anno 1715.“ Eine Kreuzigungsgruppe und die Muttergottes zieren als Reliefs deren Seite.
Im Jahr 1938 wurden das Dach und das Äußere der Kapelle erneuert.
Quellen: Süddeutsche Zeitung vom 1960 und 1964, Herbert Rädle
(zur Verfügung gestellt von Manfred Tremmel)
