
Quelle: C. Würtz

Quelle: Ch. Würtz

Quelle: Chr. Würtz
St. Leodegar Gammertingen
Dass eine Kirche den Heiligen Leodegar als Patron hat, kommt rechts des Rheins nur sehr selten vor. In Hohenzollern ist Gammertingen die einzige Kirche, die ihn in ihrem Namen führt. Der Heilige Leodegar wurde um 616 geboren und war Bischof von Autun in Frankreich und einflussreicher Ratgeber der französischen Könige.
Wie und wann allerdings Gammertingen zu diesem Kirchpatron kam, kann heute nicht mehr geklärt werden. Erstmals erwähnt wurde er 1468. Auch die Ursprünge der Pfarrkirche müssen im Dunkeln bleiben. An der Stelle der heutigen Kirche wurde um 1350 ein gotisches Gotteshaus errichtet, deren Mauern bis 1804 standen. Wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der noch heute erhaltene Turm mit seinem Staffelgiebel angebaut.1803 beauftragte man den Maurermeister Anton Schneider aus Bach bei Zwiefalten mit dem Bau der neuen Kirche. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ersetzte man die farblosen Fenster durch farbige mit Heiligenfiguren. Sie wurden von Gammertinger Bürger gestiftet. 1895 wurde ein Hochaltar in Auftrag gegeben und 1897 vom Freiburger Weihbischof Knecht geweiht.
1939/40 wurde die Kirche renoviert, wobei man bestrebt war, den klassizistischen Charakter der Kirche zu betonen. 1968 wurde das Innere der Kirche nahezu vollständig umgestaltet. Ein Großteil der historischen Ausstattung wurde entfernt. Der Chorraum erhielt eine völlig neue Gestalt mit einer aufwändiger Treppenanlage, einem großen Volksaltar, einem darüber hängenden Kreuz und einem dahinter stehenden Tabernakel, der an den brennenden Dornbusch erinnern sollte. Wie vieles kamen auch die beiden Seitenaltäre auf den Kirchenspeicher, wo sie noch heute erhalten sind.
An Stelle der Seitenaltäre kamen zwei Statuen mit dem Heiligen Josef und der Heiligen Maria. Die bisherigen farbigen Fenster mit den Heiligendarstellungen wurden durch Fenster ersetzt, die der Karlsruher Künstler Emil Wachter entworfen hatte. Sie haben das „Himmlische Hochzeitsmahl“ zum Inhalt.
Die Renovation, die der Kirche ein sehr nüchternes Gepräge verlieh, führte schon nach 30 Jahren zu dem Wunsch, die Kirche erneut umzugestalten. Man entschied sich dafür, den Bestand aus den 60er Jahren beizubehalten, jedoch historische Ausstattungsstücke wieder in die Kirche zurückzuholen und neue Gestaltungselemente einzufügen.
Diese Renovation fand ihren Abschluss durch die neuerliche Konsekration des umgestalteten Altars durch Weihbischof Wolfgang Kirchgässner im April 1997.
Seitdem ist das Bild der Kirche weitgehend unverändert.
Am Beginn des Mittelgangs steht der Taufstein. Daneben befindet sich an der Wand ein Holzrelief, auf dem die Taufe durch Johannes im Jordan zu sehen ist. Dass sich der Taufstein am Eingang der Kirche befindet, verdeutlicht, dass am Anfang unseres Christseins das Sakrament der Taufe steht.
Auf der zweiten Empore steht die Orgel. Das heutige Instrument hatte mehrere Vorgängerinnen. Die jetzige Orgel baute die Firma Xaver Mönch und Söhne aus Überlingen im Jahr 1973.
An der nördlichen Wand hängen die sieben letzten der vierzehn Kreuzwegstationen von Constantin Hanner. Die letzte Station hat er signiert und auf den 28. Juli 1870 datiert. Die ersten sieben Stationen hängen an der südlichen Kirchenwand.
Anstelle der beiden Seitenaltäre stehen zwei Figuren des Heiligen Josef und der Heiligen Maria.
Der Chorraum wird heute wieder von dem monumentalen Kreuzigungsbild Anton Reisers aus dem Jahre 1807 beherrscht, das an einem wuchtigen Stahlträger hängt.
Altar, Ambo und Tabernakelstele stammen noch von der Renovation von 1969, wurden aber gründlich durch den Bildhauer Leonhard Eder aus Rheinfelden 1996 umgearbeitet.
In der Weihnachtszeit wird im Chorraum die Krippe aufgebaut, die 1894 gekauft wurde. Am Gründonnerstag wird der Ölberg, der früher an der Kapelle an der Ölbergsteige stand, und in der Osterzeit schließlich die gotische Figur des auferstandenen Christus aufgestellt. Daneben besitzt die Pfarrgemeinde auch einen barocken Auferstehungschristus von Balthasar Wild aus dem Jahr 1749, der aus dem Kloster Mariaberg hierher kam.
Wertvollstes Objekt des Kirchenschatzes ist die Monstranz, die 1710 vom Augsburger Meister David Saller geschaffen wurde. Sie ist aus vergoldetem Silber.
Ferner gehören zum historischen Kirchenschatz aus dem 18. Jahrhundert vier Kelche, allesamt Augsburger Arbeiten, ein Wettersegenkreuz, zwei Ziborien, sowie Lavabo Garnituren, bestehend aus einem Tablett und zwei Kännchen für Wasser und Wein.
Quelle: Gotteshäuser auf der Alb von Christian Würtz

Quelle: Jutta Lieb
