Schutzkonzept und Pastoralkonzeption

 

Schutzkonzept zur Prävention

 

„Die Prävention ist integraler Bestandteil der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen. Ziel der katholischen Kirche und ihrer Caritas ist es, allen Kindern und Jugendlichen sowie schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Geiste des Evangeliums und auf der Basis des christlichen Menschenbildes einen sicheren Lern- und Lebensraum zu bieten“ (…) „Prävention als Grundprinzip professionellen Handelns trägt bei Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen dazu bei, dass sie in ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen, glaubens- und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten gestärkt werden.“  
Auszug aus der Präambel der Rahmenordnung Prävention der Deutschen Bischofskonferenz vom 18. November 2019.
Das Erzbistum Freiburg will Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen, sowie allen Menschen, die sich kirchlichem Handeln anvertrauen, Lebensräume anbieten, in denen sie ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen, ihre Beziehungsfähigkeit und ihren persönlichen Glauben in Freiheit und Sicherheit entfalten können.
Als Dekanat und als römisch-katholische Kirchengemeinden im Dekanat Sigmaringen-Meßkirch (künftige römisch-katholische Kirchengemeinde Sigmaringen/Pfarrei Neu Herz Jesu Sigmaringen) sind wir diesem Ziel verpflichtet. Kirche will ein Ort sein, an dem Menschen sicher sind, an dem sie sich wohlfühlen und entwickeln können. Wer sich kirchlichem Handeln anvertraut, muss seine Persönlichkeit und seine Begabungen, seine Beziehungsfähigkeit und seinen persönlichen Glauben entfalten können.
Das vorliegende aktualisierte Institutionelle Schutzkonzept ist ein Baustein auf dem Weg dorthin. Gemäß den Vorgaben des Erzbistums Freiburg nach der Rahmenordnung Prävention (RO-Prävention) vom 18. Dezember 2019 und den Ausführungsbestimmungen zur Rahmenordnung Prävention (AROPräv) vom 19.11.2021 haben wir - die römisch-katholischen Kirchengemeinden im Dekanat Sigmaringen-Meßkirch und das katholische Dekanat (als künftige Pfarrei Herz Jesu Sigmaringen) - alle Maßnahmen zusammengetragen, die dafür sorgen sollen, dass der Lebensraum Kirche bei uns ein sicherer Ort für Menschen ist und bleibt. Dieses institutionelle Schutzkonzept wurde bereits am 11.04.24 und im Zuge der Erarbeitung der Gründungsvereinbarung der Pfarrei neu nochmals am 08.08.24 vom Ordinariat nach fachlicher Prüfung bestätigt und genehmigt. Es entspricht der Rahmenordnung Prävention und der dazu erlassenen Ausführungsordnung.
Hier finden Sie den vollständigen Text des Schutzkonzeptes, Anlage 1, Institutionelles Schutzkonzept (hinzufügen). 
Hinweis: Auf den Seiten 36-38 des Schutzkonzeptes sind die aktuellen Kontaktadressen zur Beratung und Intervention in unserer Region und der Erzdiözese zu finden. Auf den Seiten 39-42 die Kontaktdaten der Ansprechpersonen in Dekanat und den bisherigen Seelsorgeeinheiten.
Im beigefügten zweiten Dokument finden Sie die Erkenntnisse und Konsequenzen aus der Risikoanalyse und Dokumentation von Präventionsmaßnahmen, Anlage 2, Risikoanalyse (hinzufügen).
Weitere Hinweise und alle wichtigen diözesanen Regelungen und Materialien finden Sie hier: https://www.ebfr.de/erzdioezese-freiburg/erzbischoefliches-ordinariat/hauptabteilung-6-grundsatzfragen-und-strategie/praevention/

 

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Pastoralkonzeption

 

St. Leodegar Gammertingen mit Filialgemeinde St. Josef Bronnen

St. Mauritius Neufra mit Filialgemeinde St. Franz Xaver Freudenweiler

St. Nikolaus Feldhausen mit Filialgemeinde St. Johannes Harthausen

St. Martin Kettenacker

Pastoralkonzeption der

Seelsorgeeinheit Gammertingen

Pastoralkonzeption der Seelsorgeeinheit Gammertingen

(St. Leodegar Gammertingen mit Filialgemeinde St. Josef Bronnen, St. Nikolaus Feldhausen mit Filialgemeinde St. Johannes Harthausen , St. Martin Kettenacker und St. Mauritius Neufra mit Filialgemeinde St. Franz Xaver Freudenweiler)

Vorwort

Die pastoralen Leitlinien „Den Aufbruch gestalten“

Die Entstehungsgeschichte der Pastoralkonzeption

Konkretion A: Der kirchliche Auftrag

Konkretion B: Die allgemeine Situationsanalyse

Die spezielle Situationsanalyse vor Ort (SE Gammertingen)

Ziele und Maßnahmen in den pastoralen Handlungsfeldern

Auftrag – Aufbruch – Abschied

Ausblick

1. Vorwort

Die vorliegende Pastoralkonzeption der Seelsorgeeinheit Gammertingen ist hervorgegangen aus dem Auftrag unseres Erzbischofs, die Pastoralen Leitlinien

„Den Aufbruch wagen“ vom November 2005 unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und Erfordernisse umzusetzen. Die Pastoralen Leitlinien sollen zu einer Neubesinnung und Neubewertung des kirchlichen Handelns anleiten, zu einer Konzentration auf Aufgaben führen, die unaufgebbar und zukunftsweisend sind und Entlastung ermöglichen und Freiraum schaffen, kirchliches Handeln neu zu denken und zu gestalten (PL 1)

Daher zeichnet diese Konzeption noch einmal ausführlich den Weg nach von der Entstehung der Pastoralen Leitlinien, bei der die Pfarrgemeinderäte der SE selbst aktiv beteiligt waren, bis zur Endfassung der Pastoralkonzeption unserer SE, auch um jenen Kolleginnen und Kollegen in den Pfarrgemeinderäten das nötige Hintergrundwissen zu vermitteln, welche bei den nächsten Pfarrgemeinderatswahlen am 13. und 14. März 2010 neu in diese Gremien gewählt werden.

Denn ohne dieses Hintergrundwissen werden jene schwerlich in der Lage sein, der Verantwortung für die Umsetzung und für die in regelmäßigen Zeitabständen zu leistende Revision der Pastoralkonzeption gerecht zu werden.

Den Pfarrgemeinderäten und den Hauptamtlichen wird sehr konkret und detailliert noch einmal in Erinnerung gerufen, welche intensive und umfassende Arbeit sie gemeinsam in den vergangenen Jahren vor allem bei den diesbezüglichen Klausurtagen geleistet haben, worauf sie mit Recht stolz sein können. Sie haben sich im hohen Maße um ihre Pfarrgemeinden und unsere Seelsorgeeinheit verdient gemacht.

Die vorliegende Pastoralkonzeption ist mit Sicherheit kein „Masterplan“ für eine perfekte Seelsorge. Sie ist nur eine Hilfsmittel für die pastorale Neuorientierung angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen von Kirche und Welt.

Neu erfinden brauchen wir die Pastoral bei uns Gott sei Dank nicht. In unserer SE und in unseren Gemeinden gibt es viele positive und zukunftsträchtige Initiativen in den drei Grunddiensten der Verkündigung, der Liturgie und der Caritas, die es nur fortzuführen oder weiterzuentwickeln gilt.

Manches wird in dieser Pastoralkonzeption nur sehr allgemein angesprochen, um auch den einzelnen Pfarrgemeinden Raum zu lassen für selbstverantwortliches Handeln. Ein perfekter Pflichtenkatalog wäre entmündigend und demotivierend und insofern kontraproduktiv.

2. Die pastoralen Leitlinien „Den Aufbruch gestalten“

Wie schon oben dargestellt ist die vorliegende Pastoralkonzeption der SE Gammertingen der Versuch, die Pastoralen Leitlinien des Erzbistums Freiburg

„Den Aufbruch wagen“ vom 1. November 2005 auf die örtlichen gesellschaftlichen, religiösen und kirchlichen Verhältnisse anzuwenden.

Daher sollen an dieser Stelle noch kurz Entstehung und zentrale Anliegen der Pastoralen Leitlinien in Erinnerung gerufen werden, da ihre Vorgaben für jede Pastoralkonzeption richtungsweisend und maßgebend sind.

Nach einem zweijährigen Diskussions- und Konsultationsprozess wurden die Leitlinien vom Herrn Erzbischof Robert Zollitsch in Kraft gesetzt. Er hatte ihre Entstehung mit einem Grundsatzreferat als neuer Erzbischof vor den Dekanen am 1. Oktober 2003 im Jahr seiner Ernennung zum Erzbischof durch Papst Johannes Paul II. angestoßen.

Die Intention der Pastoralen Leitlinien liegt in der Einsicht, dass die sich zum Teil grundlegend verändernden gesellschaftlichen, religiösen und kirchlichen Verhältnisse eine Neuausrichtung kirchlicher Seelsorge erfordern. Eine Neubesinnung und Neubewertung kirchlichen Handelns ist nötig, um die Pastoral auf die unaufgebbaren und zukunftsweisenden Aufgaben zu konzentrieren.. Die Kernaufgaben kirchlicher Pastoral in den Grunddiensten der Liturgie, der Glaubensverkündigung und der Caritas sollen intensiviert und innovativ angegangen werden. Im Gegenzug soll Überholtes, nicht mehr Nachgefragtes nach Maßgabe der Pastoralen Leitlinien reduziert oder ganz wegfallen. Verabschiedet werden sollen ebenso bisherige Aufgaben, für die keine ausreichenden personellen oder finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Damit soll auch Zeit gewonnen werden für Aufbrüche in Richtung aktueller pastoraler Herausforderungen.

Grundvoraussetzungen eines zeitgemäßen kirchlichen Handelns sind daher eine intensive Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Welt und der Lebenssituation ihrer Menschen im Großen wie im Kleinen und eine zeitgemäße Rückbesinnung auf die Botschaft Jesu vom Reiche Gottes.

Wichtige und auch selbstverständliche Handlungsprinzipien und Orientierungen für die kirchlichen Mitarbeiter werden in Erinnerung gerufen: Kooperationsfähigkeit, Dialogfähigkeit, Weltoffenheit, Fähigkeit zum arbeitsteiligen Handeln, sprachliche Ausdrucksfähigkeit und intellektuelle Redlichkeit, aber auch ökumenische, missionarische und solidarische Ausrichtung. Für viele Handlungsfelder werden den Seelsorgeeinheiten Zielvorgaben auf den Weg gegeben.

Alle Getauften und Gefirmten werden als Träger der Pastoral im hauptamtlichen und ehrenamtlichen Dienst daran erinnert, dass sie persönlich von Gott zur Sendung berufen sind, in der Sammlung der Gemeinschaft des Glaubens und des Lebens das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden.

Zur Akzeptanz und bisherigen Umsetzung der Pastoralen Leitlinien wurde Ende 2007 bistumsweit eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis der Auswertung fasste das Konradsblatt (Nr.45, 2008 S.8) so zusammen:“ Die Pastoralen Leitlinien werden zwar positiv bewertet, aber sie sind kein Selbstläufer. Die Akzeptanz und Umsetzung erfolgt zögernd, mitunter auch etwas widerwillig. Es geht bislang noch kein Ruck durch die Erzdiözese.“ Dies zeigte allein schon die bescheidene Rücklaufquote aller Angeschriebenen von nur 30,3%, wobei die ehrenamtlichen Laien mit 19.9% von allen Gruppierungen die geringste Beteiligungsquote aufwiesen. Wenn man dann noch bedenkt, dass von den insgesamt beteiligten Priestern (32%) und ehrenamtlichen Laien (19,9%) nur etwa jeweils die Hälfte den Pastoralen Leitlinien voll zustimmten, dann war die Ausgangslage für ihre Umsetzung im Erzbistum nicht sehr günstig.

3. Die Entstehung der Pastoralkonzeption der SE Gammertingen

Die Seelsorgeeinheit Gammertingen wurde am 3. März 2002 im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in der St. Leodegarkirche in Gammertingen gegründet. Die Rechtsgrundlagen waren während des Jahres 2001 von den Pfarrgemeinderäten und den Hauptamtlichen der Pfarrgemeinden St. Leodegar in Gammertingen mit Filialgemeinde St. Josef Bronnen, St. Mauritius in Neufra mit Filialgemeinde St. Franz Xaver Freudenweiler, St. Nikolaus in Feldhausen mit Filialgemeinde St. Johannes Harthausen und St. Martin in Kettenacker in gemeinsamen Sitzungen erarbeitet worden.

3.1 Mitwirkung am Konsultationsprozess und inhaltliche Aneignung

Am Konsultationsprozess der Pastoralen Leitlinien nahmen die Pfarrgemeinderäte und das Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Gammertingen von vornherein in gemeinsamen Klausuren sehr aktiv teil. So beschäftigte man sich intensiv bei der Frühjahrsklausur in Hechingen/St. Luzen am 5. April 2004 mit dem sogenannten „Methodischen Schlüssel“, der die Eckdaten der Perspektiven einer zukünftigen Pastoral umriss.

Der aus den Rückmeldungen zu diesem „Schlüssel“ hervorgegangene Anhörungsentwurf der Pastoralen Leitlinien war im folgenden Jahr 2005 bei der Frühjahresklausur am gleichen Ort Grundlage intensiver Auseinandersetzungen.

Im Jahre 2006 ging es auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens in unserer Seelsorgeeinheit darum, die im November des Vorjahres 2005 in kraft getretene endgültige Fassung der Pastoralen Leitlinien inhaltlich zu verstehen und erste Ideen für eine ortsbezogene Umsetzung zu entwickeln. Für die mit der wissenschaftlichen Terminologie der Textvorlage wenig vertrauten Mitarbeiter erstellte der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses eine stichwortartige allgemeinverständliche Zusammenfassung. An der diözesanen Informationsveranstaltung im Kloster Hegne im Sommer nahmen die meisten Pfarrgemeinderäte der Seelsorgeeinheit teil, um sich hier zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Region Bodensee - Hohenzollern aus berufenem Munde des Weihbischofs Rainer Klug zu informieren.

3.2 Erste Schritte zur Umsetzung

3.2.1 Öffentlichkeitsarbeit

Im Jahre 2007 wurden die ersten Schritte zur Umsetzung der pastoralen Leitlinien unternommen. So wurde in der Sitzung des Gemeinsamen Ausschusses am 7. Februar 2007eine Medienkommission gegründet, um die Öffentlichkeitsarbeit (PL6.3) der Seelsorgeeinheit zu überprüfen. In ihrer Sitzung am 7. März wurden einige inhaltliche und formale Verbesserungen der Gestaltung des Kirchenblattes beschlossen: Ein regelmäßiger Überblick über alle Gottesdienste und über gemeinsame Veranstaltungen in der SE, Übernahme von Textauszügen aus aktuellen Beiträgen kirchlicher und theologischer Periodika, gerechte Verteilung der Texträume zwischen den beiden Dekanaten Sigmaringen- Meßkirch und Zollern und die redaktionelle Zuweisung von Themen an einzelne Autoren. Gleichzeitig erstellte Herr Vikar Dr. Würtz eine ansprechende und informative Homepage der SE Gammertingen.

3.2.2 Ausschuss „Caritas und Soziales“

In der Frühjahresklausur der Pfarrgemeinderäte der SE Gammertingen am 9. März 2007 in Heiligkreuztal wurde in Zusammenarbeit mit der Caritasstelle in Sigmaringen die gedankliche Vorarbeit für die Gründung des Ausschusses

„Caritas und Soziales“ geleistet, um im Sinne der Pastoralen Leitlinien (6.3) das karitative Handeln der Kirche in der SE in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Verbandscaritas zu unterstützen, zu entfalten und zu stärken. Zum Wohle hilfsbedürftiger und notleidender Menschen soll sich der Sachverstand des Caritasverbandes mit der karitativen Sensibilität vor Ort verbinden. Der Leiter der Caritasstelle Sigmaringen, Clemens Walz, informierte die Tagungsteilnehmer mit einer Powerpointpräsentation ausführlich über das

Pflege- und Beratungsangebot und wies dabei auf einige besonders akute hilfsbedürftige Personengruppen hin wie z.B. Alleinerziehende und pflegende Angehörige. In der anschließenden Diskussion wurden Befürchtungen wegen zu starker Belastung Ehrenamtlicher im caritativen Bereich laut. Auch wurde eine stärkere Kooperation im karitativen Bereich von Pfarrgemeinde und politischer Gemeinde angeregt und die mangelnde karitative Zugänglichkeit mancher Hilfsbedürftiger beklagt wie z.B. „verschämter“ Armer, psychisch Kranker oder Suchtkranker.

In den einzelnen Pfarrgruppen erstellten die Pfarrgemeinderäte jeweils einen Überblick über das aktuelle karitative Angebot (z.B. Besuchsdienste; Sterbebegleitung) und eine Wunschliste künftiger Angebote (z.B. bessere Öffentlichkeitsarbeit mit gezielten Informationen)

In den folgenden Monaten wurden vom Gemeinsamen Ausschuss die Rechtsgrundlagen für diesen Ausschuss „Caritas und Soziales“ geschaffen. In zehn Punkten wurden Auftrag, Zusammensetzung, Amtsdauer und Zuordnung zum Gemeinsamen Ausschuss festgelegt. In der konstituierende Sitzung am 29. November 2007 wählten die Mitglieder Diakon Werner Eisele zum Vorsitzenden. Als „Starhilfe“ erhielten die Ausschussmitglieder die von den Pfarrgemeinderäten der SE in Heiligkreuztal erstellte karitative Angebots – und Bedarfserhebung an die Hand.

3.2.3 Pastoralkonzeption

Am 9. Mai 2007 hatte der Gemeinsame Ausschuss bereits den ersten wichtigen Schritt in Richtung auf die Erstellung einer Pastoralkonzeption für die Seelsorgeeinheit entsprechend dem Auftrag aus den Pastoralen Leitlinien (7.1) vollzogen: Dabei orientierte man sich an den methodischen Vorgaben der soeben im März erschienenen „Arbeitshilfe Konzeptionsentwicklung“. Es wurde die Bildung einer Steuerungsgruppe beschlossen. Ihr gehören seitdem an: Pfarrer Wolfgang Drescher, Pastoralreferent Matthias Kopp, der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses Johannes Kerkhoff, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Elmar Linder (Feldhausen- Harthausen) und Pfarrgemeinderätin Christine Rothfeld (Gammertingen- Bronnen). Die Steuerungsgruppe tagte erstmals am 25. September 2007, um Vorüberlegungen zum ersten Schritt der Anfertigung einer Pastoralkonzeption anzustellen.

3.2.3.1 Situationsanalyse

Entsprechend den Hinweisen der „Arbeitshilfe Konzeptionsentwicklung“ des Erzbistums ging es in einem ersten Schritt um die Analyse der gegenwärtigen gesellschaftlichen und kirchlichen Situation in der Seelsorgeeinheit. Deshalb wurde eine Fragebogenaktion beschlossen, um auf diesem Wege die Meinung der Katholiken der SE zum kirchlichen Angebot besonders in den drei Grunddiensten Liturgie, Verkündigung und Nächstenliebe (Caritas) zu erfahren. In der Sitzung der Steuerungsgruppe am 8. November 2007 wurde der vom Vorsitzenden des Gemeinsamen Ausschusses vorgelegt Fragebogenentwurf diskutiert und beschlossen. Der Fragebogen wurde Anfang 2008 dem Amts- und Kirchenblatt beigelegt, der Fragebogenrücklauf im Februar ausgewertet und graphisch aufbereitet. Bei der Frühjahresklausur in Heiligkreuztal am 1. März 2008 erhielten alle Teilnehmer diese Fragebogenauswertung zur Aussprache. Leider war der Rücklauf aus den einzelnen Pfarrgemeinden sehr bescheiden. Aus Gammertingen gingen 114 Fragebögen ein, aus Neufra 83, aus Feldhausen- Harthausen 46 und aus Kettenacker 40. Das entspricht in der Reihenfolge der Gemeinden einem Katholikenanteil von 4%, 6%, 8% und 16%. Je kleiner die Gemeinde, desto größer die Teilnahme. Fast ausschließlich hatten sich mit ganz wenigen Ausnahmen nur die regelmäßigen Kirchgänger beteiligt. Die Kommentierung der Daten übernahm in Heiligkreuztal der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses.

Ebenso wurden die Ergebnisse der bundesweiten Sinus- Milieustudie von 2005 und noch verschiedene soziologische Forschungsergebnisse wie z.B. der Familienatlas 2007 (bezüglich Landkreis Sigmaringen) des Bundesministeriums für Familien und der Demographiebericht der Bertelsmannstiftung (bezüglich Gammertingen) vorgestellt, erläutert und diskutiert. Die Präsentation der Daten hatten Pastoralreferent Matthias Kopp und die stellvertretende Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses, Hildegard Butscher übernommen.

In der nächsten Sitzung der Steuerungsgruppe am 9. April 2008 versuchten die Teilnehmer in einer offenen Aussprache erste Ziele einer zukünftigen Pastoral aus der Situationsanalyse des Klausurtags von Heiligkreuztal abzuleiten.

Bedingt durch den vorzeitigen Fortgang des Vikars Dr. Würtz und die von Freiburg nicht eingehaltene versprochene Neubesetzung dieser Vikarsstelle kam die Arbeit an der Erarbeitung der Pastoralkonzeption im Sommer 2008 zum Erliegen. Außerdem war der Verfasser dieser Zeilen wegen eines entsprechenden Hinweises im Diözesanrat der (irrtümlichen) Meinung, dass im Spätsommer noch eine weitere Handreichung zu den Pastoralen Leitlinien erscheinen würde.

3.2.3.2 Ziele und Maßnahmen

Im September 2008 arbeitete der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses dann einen ersten Entwurf über die Ziele und Maßnahmen einer zukünftigen Pastoral auf der Basis der Situationsanalyse von Heiligkreuztal aus. Dieser Entwurf beschäftigte den Gemeinsamen Ausschuss in den folgenden Sitzungen am 24. September und am 19. November 2008. Eine durch verschiedene Anregungen erweiterte und konkretisierte Fassung wurde Anfang 2009 allen Pfarrgemeinderäten der SE zur Stellungnahme zugestellt und sollte den Basistext für die nächsten Klausurtage bilden, die am 6. und 7. März 2009 wieder in Heiligkreuztal stattfanden. Die Anregungen aus der Gruppen- und Plenararbeit aufgreifend, erklärte sich der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses dort bereit, einen abstimmungsfähigen Entwurf der Pastoralkonzeption auszuarbeiten, der hiermit vorliegt.

Diese Arbeit verzögerte sich aber bis in den Winter 2009/2010, denn die Verantwortungsträger im Erzbistum Freiburg überraschten die Kircheninteressierten schon im Frühjahr mit einem neuen Satzungsentwurf für Pfarrgemeinderäte, der die Abschaffung der örtlichen Pfarrgemeinderäte ab 2015 vorsah und deren Ersetzung durch sog. Pastoralteams oder Gemeindeteams. Außerdem wurde bekannt, dass ab September ein Prozess der geographischen Weiterentwicklung (sprich: Vergrößerung durch Zusammenlegung) der Seelsorgeeinheiten eingeleitet werden würde. Durch beide Pläne schien die gegenwärtige Arbeit an einer Pastoralkonzeption für die SE Gammertingen mindestens partiell in Frage gestellt, was beim Verfasser zu einem deutlichen Motivationsabschwung führte. Hinzu kam noch die schon oben erwähnte skandalöse Rehabilitierung der antidemokratischen, antiökumenischen und antisemitischen Piusbruderschaft durch Papst Benedikt XVI.. Der vorliegende Text wurde deshalb erst im Oktober in Angriff genommen und schließlich am 12.02.2010 vollendet, deann am 23.02.2010 in der Vollversammlung aller Pfarrgemeinderäte der SE letztmals diskutiert und nach einigen Textänderungen einstimmig beschlossen und anschließend Herrn Dekan Neubrand zur Genehmigung zugesandt., rechtzeitig zu den anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen am 13./14. März 2010. Denn es war allen Verantwortlichen klar, dass man die nächste Generation der möglicherweise zahlreichen neuen Pfarrgemeinderäte nicht mehr mit dieser Aufgabe belasten durfte.

4. Konkretisierung A: Der kirchliche Auftrag

4.1 Reich – Gottes - Botschaft Jesu

Ein zentrales Anliegen der Pastoralen Leitlinien ist neben der konsequenten Wahrnehmung der gesellschaftlichen Wirklichkeit (vgl. 4.) die Rückbindung an die Reich-Gottes-Botschaft Jesu, um das gesamte pastorale Handeln im Lichte des Evangeliums neu zu bewerten. Die Pastoralen Leitlinien erinnern daran, dass die Botschaft vom Reiche Gottes im Zentrum der Verkündigung Jesu steht. Jesus erhebt in seinem öffentlichen Wirken den Anspruch, dass das Reich Gottes jetzt schon in seinen Worten und Taten anbricht, sich aber erst in Zukunft vollenden wird. Im Reiche Gottes findet die menschliche Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Geborgenheit in einer solidarischen Gemeinschaft ihre Erfüllung. Die Kirche ist jene berufene Gemeinschaft im Glauben, deren Herz und Mitte Jesus Christus selbst und deren Lebensatem die verbindende Kraft des Geistes Gottes ist. Die Früchte dieses Geistes Gottes sind nach Paulus (Gal 5,22) Liebe, Güte, Freude und Treue. Das Handeln der Kirche als Nachfolgegemeinschaft Jesu ist bestimmt von Offenheit, Integration und Überwindung der Grenzen. Die kirchliche Botschaft vom Reiche des menschenfreundlichen Gottes verlangt den Einsatz für weltweite Solidarität und Verbundenheit.

4.2 Kreuz und Auferstehung Jesu

Nun umfasst die Botschaft Jesu vom Reiche Gottes nicht die ganze christliche Verkündigung. Bei Berücksichtigung der kirchlichen Glaubensgeschichte wäre an dieser Stelle auch ein Eingehen auf die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung Jesu zu erwarten gewesen. Denn wenn die kirchliche Verkündigung diesen Themenkomplex unterschlägt und sich allein auf die Reich-Gottes-Botschaft Jesu konzentriert, bleibt sie in einer „Jesulogie“ (reine vorösterliche Deutung des „historischen“ Jesus) stecken und dringt nicht zur

„Christologie“ vor, für welche die Reflexion über die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi für die Erlösung der Menschen (Soteriologie) konstitutiv ist. Weder kann von Gott unter Absehung von Christus gesprochen, noch von Jesus als dem Christus unter Absehung Gottes und seines Handelns durch und an ihm gesprochen werden. Mit Recht schreibt daher Johanna Rahner in ihrer “Einführung in die katholische Dogmatik“ (Darmstadt 2008,S.46) unter Bezugnahme auf „Dei Verbum“ des 2. Vatikanums: „ Dei Verbum spricht daher von dem einen Heilswerk Christi, das letztlich ganz von seiner Person her zu verstehen ist: sein ganzes Leben, sein Tun (Worte, Werke, Zeichen, Wunder); vor allem aber sein Tod und – nur von daher zu verstehen – seine 'herrliche Auferstehung´. Er ist es auch, der den Geist sendet. Und das alles hat seine eindeutige Zielvorgabe, denn er bekräftigt nicht sich selbst, sondern er bekräftigt

dadurch das 'Mit – uns – Sein' zum Heil des Menschen, zu seiner Befreiung von der Sünde und seiner Berufung zum ewigen Leben.“

Wer die christliche Verkündigung auf die Reich – Gottes – Botschaft beschränkt, unterschlägt nicht nur das „Heilswerk“ Jesu in Kreuz und Auferstehung, sondern auch wesentliche Aussagen des „Credos“ (Glaubensbekenntnis).

4.3 Satisfaktionstheorie und Theodizee

An dieser Stelle wäre auch ein kurzes Eingehen auf die in volkskirchlichen Kreisen immer noch virulente Satisfaktionstheorie des Anselm von Canterbury (gest.1109) wünschenswert gewesen, in deren Mitte die Wiederherstellung der verletzten Ehre Gottes durch die Genugtuung stand, die ihm Jesus Christus als ein Subjekt unendlicher Würde in seinem Kreuzestod leistete. Braucht der Gott der Liebe und Barmherzigkeit, wie Jesus ihn verkündete und in seiner Menschenfreundlichkeit (Heilungen, Sündenvergebung) repräsentierte, als Genugtuung für die Beleidigung durch die Sünden der Menschheit das Menschenopfer seines Sohnes? Auch kann der Frage nach der Erlösung der Welt durch den menschgewordenen Gottessohn kaum angesichts des täglich zu erfahrenden Bösen in der Welt ausgewichen werden. Die Theodizeefrage (Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids der Menschen) stellt sich angesichts von Natur- und Menschheitskatastrophen vielen Menschen mit großer Dringlichkeit.

Auf ein weiteres Problem in der Gottesrede hat der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, hingewiesen, nämlich die bisweilen erschreckende Banalisierung der Glaubensinhalte, das Misslingen der Gottesrede, die Huber als

„Selbstsäkularisierung“ der Kirche kritisiert. Auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen, gilt es mit Ulrich H. J. Körtner ( siehe oben S.27) zu fragen:

„Was bedeutet Christus für diese Welt, und was heißt es, ein Christ zu sein?“

5. Konkretisierung B: Die allgemeine Situationsanalyse

Wenn die Botschaft Jesu vom Reiche Gottes und die Botschaft der Kirche von Jesus dem Gottessohn und Erlöser (Christus) die Menschen von heute erreichen soll, dann ist es unabdingbar, zunächst die konkreten Lebensverhältnisse in den Blick zu nehmen.

5.1 Kennzeichen der heutigen „Umbruchzeit“ (Pastorale Leitlinien)Mit Recht zählen daher die Pastoralen Leitlinien die Analyse der gesellschaftlichen,

kirchlichen und religiösen Wirklichkeit zu den Grundvoraussetzungen kirchlichen Handelns. Als wesentliche Kennzeichen der gegenwärtigen

„Umbruchzeit“ nennen die Pastoralen Leitlinien (2.1):

Zukunftsangst und Ratlosigkeit bei vielen Menschen, hohe Arbeitslosigkeit und Armutsrisiko.

Überalterung der Gesellschaft infolge niedriger Geburtenraten aber gestiegener Lebenserwartung, Rückbau der sozialen Sicherungssysteme wegen der Gefährdung des Generationenvertrags.

Kirche und Religion werden immer mehr zur Privatangelegenheit erklärt.

Die Pluralisierung der Lebensbereiche und Lebensstile bringt die Kirche, ihren Glauben und ihre Wertvorstellungen immer mehr in Konkurrenz zu anderen Sinndeutern.

Die traditionelle Volkskirche mit ihren spezifischen Milieus ist im Schwinden, aber eine neue Sozialgestalt noch kaum in Sicht.

Sinnsuche, Offenheit für religiöse Erfahrungen und Spiritualität sind ungebrochen, werden aber nicht mehr ausschließlich oder vorwiegend aus kirchlichen Quellen befriedigt.

Das Angebot der Kirche wird nach dem individuellen Nutzen als Dienstleistung bewertet.

5.2 Weitere Kennzeichen der Zeit

Auch heute, einige Jahre nach der Abfassung dieser gesellschaftlichen Situationsanalyse (2005), kann man ihren Feststellungen im Wesentlichen zustimmen. Durch die inzwischen eingetretene weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise dürften sich Zukunftsangst und Ratlosigkeit sogar noch weiter erhöht und dürfte das Vertrauen in die verantwortlichen Akteure aus den Bereichen Banken, Wirtschaft und Politik noch weiter gesunken sein. Schrumpfung der Wirtschaftsleistung und daraus resultierende Steuerausfälle belasten die Öffentliche Hand und führen zur Einschränkung öffentlicher Leistungen, leider häufig in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales. Auch die Bistümer sehen sich in unterschiedlicher Stärke wegen der z.T. deutlich schrumpfenden Kirchensteuereinnahmen zum Sparen und damit zur Einschränkung gewohnter Leistungen gezwungen.

Als Bedrohungsfaktor wird nach zahlreichen Selbstmordattentaten mit ungeheuren Menschenopfern nicht nur im Irak und Afghanistan auch der fundamentalistische Terrorismus des Islam erfahren. Leider sind keine islamischen Autoritäten in Sicht, den zu Märtyrern stilisierten Mördern energisch entgegen zu treten.

Aber auch in unserer Gesellschaft ist eine Zunahme der Gewalt gegenüber Mitmenschen festzustellen. Insbesondere Jugendliche mit defizitärer Sozialisation durch bildungsferne Familien, häufig mit Migrationshintergrund, zeigen ein erschreckendes Maß an Aggressionsbereitschaft selbst bei nichtigsten Anlässen.

Auch die gegenwärtige Klimakrise mit der drohenden Vernichtung der elementaren Lebensgrundlagen für kommende Generationen insbesondere auf dem Hintergrund einer weltweit unfähig agierenden Politik (Scheitern der UN- Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009) trägt nicht gerade zur Beruhigung bei.

5.3 Die katholische Kirche

Da die kirchliche Situation auch vor Ort vor allem in der katholischen Kirche mit ihrem hierarchischen Aufbau und der damit verbundenen starken Stellung des päpstlichen und bischöflichen Lehramts von den amtskirchlichen Rahmenbedingungen erheblich mitbestimmt wird, ist es unabdingbar, eine kurze Darstellung der gegenwärtigen überörtlichen kirchlichen Verhältnisse zu versuchen.

Leider müssen wir ehrlicherweise in dieser Zeit von einer katholischen Kirchenkrise sprechen, spätestens hervorgerufen durch die im Januar 2009 in Rom erfolgte Wiederaufnahme der vier schismatischen Bischöfe der traditionalistischen „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ in die kirchliche Gemeinschaft, obwohl diese keine einzige kirchenrechtliche Vorbedingung für die päpstliche Aufhebung der Exkommunikation von 1988 erfüllt hatten und weiterhin das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) mit seinen wesentlichen Entscheidungen ablehnen. Die damals vollzogene Öffnung der Kirche zur Welt („Aggiornamento“), zu den Weltreligionen insbesondere zum Judentum und zu den anderen christlichen Kirchen (Ökumene), aber auch die Wiederentdeckung der „Kollegialität“ der Bischöfe (als Korrektiv zur übersteigerten Betonung des päpstlichen Primates) und die Wiederentdeckung der Lehre vom allgemeinen Priestertum und der damit verbundenen Sendung der „Laien“ durch Taufe und Firmung (als Korrektiv einer hierarchischen und klerikalen Kirchenbildes), scheinen nun für viele um die „Errungenschaften“ des 2. Vatikanums besorgte Katholiken zur Disposition zu stehen.

Vorher hatten schon Entscheidungen des Papstes den Verdacht einer Restauration vorkonziliarer Positionen aufkommen lassen etwa wegen der Wiederzulassung des tridentinischen lateinischen Messritus von 1570 als außerordentliche Form der Liturgie als Zugeständnis an traditionalistische Kreise (Juli 2007) und der damit verbundenen von Benedikt XVI. persönlich neugefassten Karfreitagsbitte für die “Erleuchtung der Juden“, veröffentlicht am 4.2.2008. Eine restaurative von Ängstlichkeit geprägte Tendenz ist im Pontifikat Benedikt XVI. unverkennbar.

Mit rückwärtsgewandter Zukunftsangst dürften aber die drängenden Probleme der Gegenwart kaum zu lösen sein. Was Not tut und allein Aufbruchstimmung bewirken kann ist der zukunft- und weltoffene, aber auch wagemutige Geist des

2. Vatikanischen Konzils. Wer hinter das 2. Vatikanum zurückfällt, wiederholt die Fehler des Antimodernismus eines Pius X.(1903-1914): Rückzug in den elfenbeinernen Turm der Kirche, Abschottung von der außerkatholischen modernen Welt hin zur Bedeutungslosigkeit einer Sekte, was letztlich auch der Verrat am Sendungsauftrag Jesu wäre.

Innerkatholische Krisensymptome gab es allerdings schon vorher. Hier sei nur an die spätestens seit Ende der sechziger Jahre festzustellende Spaltung (Schisma) zwischen dem kirchlichen Lehramt und der Mehrheit der Katholiken jedenfalls in Europa in Fragen der Sexualethik (vgl. Enzyklika „Humanae vitae“ 1968) erinnert. In dieser Enzyklika wurden die Empfängnisverhütung durch Kontrazeptiva („Pille“) und jede Form von Schwangerschaftsabbruch („Abtreibung“) abgelehnt. Johannes Paul II. bekräftigte diese Lehre 1995 in der Enzyklika „Evangelium vitae“.

Auch die fehlende Gleichberechtigung der Frau in der Kirche etwa beim Zugang zu den Weiheämtern wird von nicht Wenigen als unzeitgemäß und kontraproduktiv empfunden vor allem angesichts des gravierenden Priestermangels. Die stille Auswanderung vieler Frauen aus der Kirche müsste doch ebenso ernst genommen werden wie die schismatische Piusbruderschaft.

Dass auch viele männliche Priesterberufungen durch das starre Festhalten an der erst im Jahre 1139 (2. Laterankonzil) eingeführten, aber biblisch nicht begründeten Zölibatsverpflichtung vom Priesteramt ausgeschlossen werden, stößt sicherlich angesichts des Priestermangels nicht auf allgemeines Verständnis. Die sich aus dieser Situation ergebende einzige Möglichkeit, die Seelsorge flächendeckend aufrecht zu erhalten, kann daher auch nicht befriedigen und erst recht keine „Aufbruchstimmung“ erzeugen. Diese Strategie besteht schlichtweg darin, in regelmäßigen Abständen die Seelsorgeeinheiten (ab 2015:“Kirchengemeinden“) entsprechend des Rückgangs der Priesterzahlen stetig zu vergrößern. Dass dies zu einer Überforderung der immer weniger

werdenden Priester führt, liegt auf der Hand. Auch die dadurch notwendig werdende zusätzliche Belastung ehrenamtlicher Laien dürfte irgendwann an eine Grenze stoßen. An dieser Stelle wäre an die Worte Joseph Ratzingers in einer Rundfunkrede 1970 über die Kirche im Jahr 2000 zu erinnern:“ Sie wird auch gewiss neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen: In vielen kleineren Gemeinden beziehungsweise in zusammengehörigen sozialen Gruppen wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden. Daneben wird der hauptamtliche Priester wie bisher unentbehrlich sein.“(Glaube und Zukunft, München 1970,S.122)

Leider scheint die Kirche auch infolge der ungeklärten Zuordnung von Ortskirche und Universalkirche und der bisher kaum erfolgten kirchenrechtlichen Umsetzung des Prinzips der bischöflichen Kollegialität auf den höheren Ebenen nicht in der Lage, den Reformstau aufzulösen.

In den letzten Jahren hat der Ruf der katholischen Kirche auch sehr gelitten unter den zahlreichen Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch durch katholische Priester und Ordensleuten insbesondere in den USA, Irland, Australien und neuerdings auch in Deutschland. Mangelnde Sorgfalt bei der Auswahl der Priesterkandidaten und ein verklemmter, tabuisierter und sprachloser Umgang mit dem Phänomen menschlicher Sexualität haben diese Schandtaten erst ermöglicht und ihre rechtzeitige Aufdeckung in vielen Fällen verhindert.

5.4 Die allgemeine religiöse Situation heute

Die Seelsorgeeinheit Gammertingen steht selbstverständlich nicht außerhalb der gegenwärtigen Welt, ihren Problemen und ihrem „Zeitgeist“. Deshalb ist es auch notwendig, die allgemeine religiöse Situation in den Blick zu nehmen, die ja auch auf die örtlichen Verhältnisse mehr oder weniger durchschlägt. Die gegenwärtige religiöse Situation global und national wird von Religionssoziologen als nicht sehr erfreulich dargestellt. Die explosionsartige Menschheitsvermehrung lässt zwar die Summe der nominellen Kirchenmitglieder weltweit leicht ansteigen, täuscht aber darüber hinweg, dass an die neunzig Prozent der Getauften sich fast nicht mehr an einer christlichen Glaubens- und Lebenspraxis orientieren. Dabei fallen die mittleren und jüngeren Generationen schon flächendeckend aus. Auch in den Städten der Dritten Welt greift bei Bessergebildeten die Säkularisierung ebenso um sich wie bei uns. Zwar wandern vor allem in Lateinamerika und Afrika manche Katholiken zu pfingstlichen und freikirchlichen Gemeinschaften ab. Die meisten aber, die der katholischen Kirche den Rücken kehren, vermehren die Zahl der Distanzierten, der Konfessions- und Religionslosen und der Atheisten. „Die Nichtreligiosität hat weltweit den stärksten Zulauf. Nach Christentum, Islam, Hinduismus ist die

Glaubenslosigkeit zur viertgrößten Weltreligion geworden.“(Johannes Röser in: Christ in der Gegenwart, 2009, Nr.51,S.571) Es gibt einen massenhaften Gewohnheitsatheismus, dem die Frage nach Gott schlicht abhanden gekommen ist, ohne dass diese Menschen irgendetwas zu vermissen glauben. Man kann also mit dem Theologen Ulrich H.J. Körner (im Sonderheft der Herderkorrespondenz “Renaissance der Religion“ 2006, S.25) von einem

„Megatrend Gottvergessenheit“ sprechen Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack kommt in seinem neuesten Buch „Rückkehr des Religiösen“, Tübingen 2009 nach Analyse zahlreicher erfahrungswissenschaftlicher Untersuchungen zu folgenden Feststellungen besonders hinsichtlich Europas (in der Rezension von Johannes Röser s.o.):

Überall, auch in ehemals streng katholischen Ländern wie Spanien und Irland, sind seit Jahren Kirchenbesuch, Sakramentenspendung und vor allem Gottesglaube rückläufig. Von einer Rückkehr des Religiösen, wie oft behauptet wird, kann demnach keine Rede sein.

Auch die Zustimmung zu christlichen Glaubensinhalten mit Ausnahme des Glaubens an ein Leben nach dem Tode ist rückläufig

.

Weiterhin gefragt auch von kirchlich Distanzierten sind religiöse Rituale wie Taufe oder Beerdigung allerdings ebenfalls sinkend. Total eingebrochen ist die Zahl der Eheschließungen.

Der Weg zum Christsein führt nahezu ausschließlich über religiös engagierte Eltern. Wo die Kette der Überlieferung von Generation zu Generation bricht, ist eine spätere Einführung des Nachwuchses in den Glauben fast ausgeschlossen.

Die Behauptung, dass Menschen in dem Maße, in dem sie von den Großkirchen Abstand nehmen, sich selber privat religiös engagieren und nach alternativen Formen der Religiosität Ausschau halten, ist nicht haltbar. Weniger „offizielle“ Religion heißt auch weniger private Religiosität mit winzigen Ausnahmen in der jüngeren Generation und unter Bessergebildeten.

Der kirchliche Mitgliederbestand überaltert in allen Zonen. Die zunehmende Austrittswelle erfasst vor allem städtische, bildungsstarke Bevölkerungsgruppen mit hohem Einkommen und weiterhin vorwiegend Männer und Ledige.

Nach wie vor ist die Kirche von Fall zu Fall rituell gefragt als „Anwalt des Unverfügbaren, als Institution im Hintergrund, auf die man im Notfall

zurückgreifen möchte, die man aber für die Bewältigung des Alltags nicht als notwendig erachtet.“(D. Pollack)

Alle Fakten sprechen für die fortgesetzte Säkularisierung (Entkirchlichung - Verweltlichung) und nicht für eine Renaissance der Religion.

Diese für die Kirche wenig erfreulichen Ergebnisse der soziologischen Forschung sollten sie vor Zweckoptimismus und Illusionen bewahren, aber auch von der Strategie des Weitermachens wie bisher abhalten. Kirchenreform und Glaubensreform müssen Hand in Hand gehen. Was die Menschen von innen her berührt und zum Glauben führt, sind Ergriffenheit, Nachdenklichkeit und Neugier.

Schon die 2006 veröffentlichte Studie „Spiritualität in Deutschland“ der Düsseldorfer Identity Foundation zeigt nach Ulrich. H. J. Körner (siehe oben S.26) ein ernüchterndes Bild: „Nur noch etwa jeder zehnte Bundesbürger gehört zu den Traditionschristen. Die große Mehrheit sucht dagegen ihr Seelenheil weder bei den Kirchen noch bei anderen Religionen, sondern im engen Familien- oder Freundeskreis. Dort wird über Glaubensfragen allerdings selten oder gar nicht gesprochen.“ In der persönlichen Lebensführung gehe es nicht um religiöse Werte, sondern allein um Familie, Freunde und persönliches Wohlergehen.

Wenn dem so ist, dann sind für eine realistische Einschätzung der Wirksamkeit einer Pastoralkonzeption daraus wichtige Schlüsse zu ziehen, um eine Selbst- und Fremdüberforderung zu vermeiden:

Auch mit einer noch so guten Pastoralkonzeption werden wir die fortschreitende Säkularisierung nicht entscheidend aufhalten können. Die Situation nüchtern, redlich und ohne Scheuklappen einschätzen und Illusionen vermeiden, ist das Gebot der Stunde.

Bei den gewiss zu erwartenden kleinen Erfolgen und Fortschritten sollten wir uns freuen und wegen der wohl ausbleibenden großen Erfolge nicht resignieren.

Schlimm wäre es wenn wir angesichts der fortschreitenden Säkularisierung das Gefühl der Erfolglosigkeit uns selbst oder unseren kirchlichen Mitarbeitern als Versagen am „Glaubensmarkt“ zuschreiben würden. Wir haben keine pastorale „Trickkiste“, um einen Umkehrtrend herbeizuzaubern.

Es wäre tragisch, wenn sich auch noch die Engagierten in der Kirche, ob hauptamtliche oder nebenamtliche, angesichts zu erwartender weiter schrumpfender Kirchlichkeit und ausbleibender großer Erfolge, resigniert und frustriert zurückziehen würden. Ohnehin ist es schwierig, den pastoralen Erfolg genau zu messen. Möglicherweise hat man viel mehr erreicht oder bewirkt als es der Augenschein anzeigt.

Mit Gottvertrauen können wir in bescheidener und demütiger Gelassenheit unsere Sendung erfüllen.

Hier mögen die Sätze zitiert werden, mit denen der Bielefelder Soziologe Franz- Xaver Kaufmann sein Buch „ Wie überlebt das Christentum?“ (Freiburg 2000, S.143/ 144) angesichts der gegenwärtigen Glaubens- und Tradierungskrise ausklingen lässt: „In ihrem Glauben angefochtenen Christen sei dagegen empfohlen, die Psalmen des Alten Testaments, die johanneischen Abschiedsreden Jesu und die Briefe des Apostels Paulus bewusst zur Kenntnis zu nehmen. Sie können daraus lernen, dass die jüdisch- christliche Glaubenstradition stets eine angefochtene war und dass ihr weltlicher Erfolg nicht in Aussicht gestellt wurde. Die Beharrlichkeit des Glaubens auch unter den

„Leiden dieser Welt“ gehört ebenso zu den Merkmalen dieses Glaubens wie die Hoffnung auf göttlichen Beistand. Eine „schöpferische Ratlosigkeit“(Gotthard Fuchs) wäre keine ungünstige Voraussetzung mit einer unsicheren, offenen Zukunft.“

6. Die spezifische Situationsanalyse vor Ort (SE Gammertingen)

6.1 Historischer Rückblick

Die im Jahre 2002 im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes gegründete Seelsorgeeinheit Gammertingen wird mit den Ausnahmen Bronnens und Mariabergs gebildet von Gemeinden, die schon seit fast 400 Jahren gemeinsam den gleichen politischen Herrschaften und Territorien angehören. Von 1524 bis 1806 regierten die Freiherren von Speth, von 1806 bis 1850 die Fürsten von Hohenzollern – Sigmaringen und von 1850 bis 1918 die preußischen Könige (seit 1871 auch deutsche Kaiser). Von 1827 bis 1925 war Gammertingen sogar Oberamtsstadt mit Oberamt, Amtsgericht, Forstamt und Katasteramt. 1925 wurde es mit den umliegenden Orten dem neugebildeten Landkreis Sigmaringen zugeschlagen. Bei der Kommunalreform in den siebziger Jahren wurden Feldhausen, Harthausen und Kettenacker nach Gammertingen eingemeindet. Bronnen, das ebenfalls seit 1524 unter Spethscher Herrschaft war,

wurde 1706 an das Kloster Mariaberg verkauft und fiel deshalb mit diesem 1802/1803 im Zuge der Säkularisierung an das Königreich Württemberg, gehörte seit 1938 zum Landkreis Reutlingen, von dem es 1973 bei der Kreisreform dem Landkreis Sigmaringen zugeschlagen wurde. Neufras Territorialgeschichte ist mit der von Gammertingen eng verbunden; der Ort konnte aber bei der Kommunalreform 1973/1975 seine Selbständigkeit behaupten. Auf dem Hintergrund der regionalgeschichtlichen Verbundenheit verwundert es nicht, dass die Fusion zur Seelsorgeeinheit problemlos verlief, da man bereits über Jahrhunderte politisch, verwaltungsmäßig, wirtschaftlich, kirchlich und lebensgeschichtlich (verwandtschaftlich) miteinander verbunden war.

6.2 Die kommunale Situation

Gammertingen, mit knapp über 5000 Einwohnern (mit Eingemeindungen knapp unter 7000 Einwohner) ist der unbestrittene Zentralort der Raumschaft. Als Unterzentrum verfügt die Stadt über ein umfangreiches Dienstleistungsangebot und eine vielfältige Gastronomie. Seit 1965 wurde das ländliche Bildungszentrum mit Grund-, Haupt- und Realschule, Gymnasium und Förderschule aufgebaut. Rund 1600 Kinder aus einem weiten Einzugsbereich werden hier unterrichtet. Grundschulen gibt es noch in Neufra und Feldhausen. Der weite Talkessel der Lauchert, in dem sich wichtige Straßen von Nord (Reutlingen) nach Süd Sigmaringen; Bodensee) und West (Albstadt; Hechingen) nach Ost (Riedlingen; Oberschwaben) kreuzen, ermöglichte im 20. Jh. die Entwicklung einer breitgefächerten Industrie – und Gewerbestruktur. Aus einer ländlich geprägten Kleinstadt wurde so gerade in den letzten Jahrzehnten eine Zentralgemeinde mit allen wesentlichen Versorgungseinrichtungen. Soziale Einrichtungen von überörtlicher Bedeutung sind das Kreisaltersheim, die Wendelsteinklinik und im Gebäudekomplex des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Mariaberg (gegründet 1267 als Kloster für Dominikanerinnen; später: Benediktinerinnen) die Mariaberger Heime (seit 1847). für Menschen mit Behinderungen und sozialen Benachteiligungen. Mit über 800 Beschäftigten sind letztere auch der größte Arbeitgeber der Stadt Gammertingen. Bronnen (1265 erstmals erwähnt) kann mit seinen 500 Einwohnern als nördlicher Vorort Gammertingens gelten. Feldhausen (um 856 erstmals erwähnt) nimmt mit Kindergarten und Grundschule auf der östlich von Gammertingen gelegenen Albhochfläche eine wichtige Funktion auch für die Nachbarorte Harthausen und Kettenacker wahr. Mit rund 400 Einwohnern ist Feldhausen auch der größte der drei Verbundorte, während das nahe gelegene Harthausen (1258 erstmals erwähnt) mit rund 200 Einwohnern hier der kleinste Teilort ist. Kettenacker (1194 erstmals erwähnt), weiter südöstlich gelegen mit Straßenanbindungen in Richtung Riedlingen und Zwiefalten, hat etwa 300

Einwohner. Alle drei Teilorte sind trotz einiger Handwerksbetriebe noch recht ländlich geprägt und verfügen jeweils über ein reges Vereinsleben. Das gilt auch für Neufra (Ersterwähnung 1138) mit seinen etwa 1900 Einwohnern, von denen etwa 285 im Teilort Freudenweiler (gegründet ab 1795 von Neufra aus durch den Besenbinder Gregor Wetzel) wohnen. Die gute Straßenanbindung nach Gammertingen, Albstadt und Hechingen und der Anschluss an die Hohenzollerische Landesbahn seit 1907/8 begünstigten den Wandel von einer ländlichen Gemeinde zu einem Industriedorf mit vorwiegender Textilindustrie. Diese aber wurde in der letzten Jahrzehnten in ihrer Bedeutung von der Metallindustrie verdrängt. Für seine Bevölkerung bietet der Ort aber nicht genügend Arbeitsplätze, weshalb viele täglich zu ihren Arbeitsstätten auspendeln müssen.

6.3 Die kirchliche Situation

6.3.1 Kirchenstruktur

Katholischerseits werden alle genannten Teilgemeinden und auch Neufra von Gammertingen her betreut, wo auch Pfarrer Wolfgang Drescher als Leiter der Seelsorgeeinheit residiert. Wegen des schon in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts sich anbahnenden Priestermangels verabschiedete Kettenacker bereits 1972 seinen letzten eigenständigen Pfarrer (Johann Locher), Feldhausen und Harthausen den ihrigen 1975 (Stephan Bienas) und Neufra mit Freudenweiler 1993 mit Arnold Cieslik ihren letzten Pfarrer. Seit Aufhebung des Klosters Mariaberg wurde Bronnen stets von Gammertingen aus kirchlich betreut.

Eine Kuriosität der Seelsorgeeinheit Gammertingen ist die unterschiedliche Zuordnung zu den Bistümern. Obwohl von Gammertingen aus betreut, gehören Bronnen und Mariaberg, da sie mit der Säkularisierung an Württemberg fielen, zum 1821 errichteten neuen (württembergischen) Bistum Rottenburg, während alle anderen genannten Gemeinden, da nach der Mediatisierung 1806 an Hohenzollern – Sigmaringen gefallen, im gleichen Jahr an das neue (badische) Erzbistum Freiburg fielen. Infolge der napoleonischen territorialen Neuordnung Deutschlands, bei der im Südwesten nur Baden, Württemberg und die beiden Hohenzollern (Hechingen und Sigmaringen) überdauerten, wurde von Rom aus eine parallele kirchliche Neuordnung vollzogen. Das Bistum Konstanz wurde aufgelöst und aus ihm u.a. ein badisches Erzbistum (Freiburg) und ein württembergisches Bistum (Rottenburg) gebildet, Die beiden Hohenzollernfürsten plädierten nämlich für den kirchlichen Anschluss ihrer katholischen Untertanen an Baden.

6.3.2 Volksfrömmigkeit und Identifikation

Ortsbildprägend sind in allen Gemeinden der Seelsorgeeinheit auch heute noch die Pfarrkirchen und Kapellen, die bei der Bevölkerung nicht nur als Gotteshäuser hohe Wertschätzung erfahren, sondern auch wegen ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung. In einer Zeit schwindender Kirchlichkeit und der damit einher gehenden Verweltlichung der Lebensorientierungen und Lebensstile sind diese Sakralgebäude immer noch wichtig für die Identifikation mit der eigenen Gemeinde. Daher ist an dieser Stelle auch unserem ehemaligen Vikar Dr. Christian Würtz herzlich zu danken für sein gelungenes Buch über die Kirchen und Kapellen in Gammertingen, Feldhausen, Harthausen, Kettenacker und Bronnen, das im Dezember 2009 erschienen ist. Auch die Landschaft um Gammertingen und seine Teilorte und um Neufra zeugt mit sorgfältig restaurierten Wallfahrtskapellen, Feldkreuzen und Bildstöcken von einer bis heute lebendigen Volksfrömmigkeit.

Mit der besonderen gesellschaftlichen, kirchlichen und religiösen Situation der SE Gammertingen beschäftigten sich bekanntlich die Pfarrgemeinderäte bei ihrer Frühjahrsklausur 2008 im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuztal. Dabei stellten Mitglieder der Vorbereitungsgruppe (Pastoralreferent Matthias Kopp, der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses Johannes Kerkhoff und seine Stellvertreterin Hildegard Butscher) die wesentlichen Daten aus der Gemeindebefragung und der soziologischen Forschung vor. Als wesentliche Ergebnisse konnten festgehalten werden:

6.3.3 Gemeindebefragung:

Die wenigen Katholiken, die sich in Gammertingen (4%), Neufra (6%), Feldhausen-Harthausen (8%) und Kettenacker (16%) an der kirchlichen Gemeindebefragung beteiligten, bezeichneten sich zum überwiegenden Teil als regelmäßige Gottesdienstbesucher und sahen ihr Verhältnis zur Kirche als sehr eng oder eng an. Obwohl der Fragebogen allen Amts- und Kirchenblättern beilagen, sahen sich nur diese wenigen Katholiken veranlasst, ihn auszufüllen. Für die absolute Mehrheit ist die Kirche offensichtlich kein Thema mehr oder diese hatte aus welchen Gründen auch immer kein Interesse oder sah keinen Sinn in der Teilnahme an dieser Befragung. Bezeichnend ist auch, dass sich deutlich mehr Frauen als Männer an der Umfrage beteiligten. Das Durchschnittsalter aller Teilnehmer in den einzelnen Gemeinden lag mit einer Ausnahme über 55 Jahren, in Kettenacker sogar deutlich über 60 Jahren. Nur eine Abweichung ist hier auffällig: Die „Umfragefrauen“ von Feldhausen- Harthausen hatten ein Durchschnittsalter von „nur“ 47 Jahren! Bei den Fragen

mit Ankreuzmöglichkeit vorgegebener Antworten durften bis zu vier Alternativen angekreuzt werden.

1. Auf die Frage, was sie zur Zeit besonders beschäftigt, wurden von zwölf Alternativen in allen vier Pfarrgemeinden am meisten die Familie angekreuzt, gefolgt von Gesundheit und bereits an 3. Stelle Fragen des Glaubens.

2. Auf die Frage, was ihnen am meisten fehlen würde, wenn es keine Pfarrgemeinde gäbe, wurde in allen Pfarrgemeinden am häufigsten der Gottesdienst angekreuzt, gefolgt vom Kirchengebäude. dann den Kasualien, dem sozialen Engagement der Kirchen und Geselligkeit, Treffpunkt. An letzter Stelle stand die Lebensorientierung bzw. Lebenshilfe

3. Bei der Beantwortung der Frage, was ihnen beim Gottesdienst wichtig sei, dominierten die Eucharistie, das Gebet, die Predigt und der Gesang. Bemerkenswert ist darüber hinaus für Gammertingen die relativ hohe Wertschätzung der Stille und der Gemeinschaft und für Neufra die abweichend geringere Bewertung der Predigt, von der man offensichtlich eine zeitgemäßere Sprache und mehr aktuelle Themen erwartet.

Bei der Bewertung der Wichtigkeit der sozialen Aufgaben der Pfarrgemeinde ergab eine deutliche Präferenz für (in dieser Reihenfolge) Kranken- und Altenbesuche, Jugendarbeit, Trauer- und Sterbebegleitung, Sozialstation, Altenarbeit und Frauengemeinschaft. In einigem Abstand folgen dann: Familienarbeit und Solidarität mit hilfsbedürftigen Menschen in der 3. Welt. Abgeschlagen am Ende rangieren: Besuche bei Neuzugezogenen, Engagement für Arbeitslose, Ausländer – und Asylarbeit und Engagement für Alleinerziehende. Abweichend hier Neufra, wo der Kirchliche Kindergarten an erster Stelle der Wichtigkeit steht, da Neufra auch die einzige Gemeinde mit einem Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft ist.

Bei der Beantwortung der Frage, was einem auch im Hinblick auf Glaubensfragen wichtig sei ergab sich eine deutliche Präferenz für(in dieser Reihenfolge) Vorträge, Vorbereitung auf die Sakramente und Wallfahrten. In deutlichem Abstand folgen dann dicht beieinander: Studien- und Bildungsreisen, Exerzitien und Besinnungstage, Glaubensgesprächskreise, Meditationen, Bibelgespräche und Bibelarbeit, Gebetskreise und Glaubenskurse. Auffällig hier Gammertingen, wo Studien- und Bildungsreisen deutlich abgehoben an 4. Stelle folgen. Das kann man wohl als Bestätigung des diesbezüglich erfolgreichen Angebots des örtlichen katholischen Bildungswerks verstehen.

Die Ökumene wird von vielen als sehr wichtig oder wichtig bewertet. Bei den Formen der interkonfessionellen Zusammenarbeit dominieren deutlich die Gottesdienste. In einem gewissen Abstand folgen bei stetig abnehmenden

Zuspruch in dieser Reihenfolge: soziales Engagement, Feste, Gruppenarbeit (Jugend, Frauen), Bildungsarbeit und Bildungswerk, öffentliche Stellungnahmen und schließlich die Bibelarbeit.

Bei der Frage nach den gewünschten sonntäglichen Gottesdienstzeiten wurden in allen Pfarrgemeinden die derzeit geltenden Gottesdienstzeiten mehrheitlich bestätigt.

8. In der freien Beantwortung der Frage, wofür sich die Pfarrgemeinde mehr einsetzen solle, rangiert deutlich die Jugend an erster Stelle in der Summe der Notierungen in allen vier Pfarrgemeinden. Mehrfache Hinweise gibt es noch in Neufra auf die Kinder und in Gammertingen auf junge Familien und Ökumene.

Die Möglichkeit, Wünsche und Kritik zu äußern, aber auch Anregungen zu geben, wurde von viele Katholiken wahrgenommen und bezogen sich vor allem auf folgende Bereiche: Pfarrgemeinde, Gottesdienst, Kirchengebäude, Öffentlichkeitsarbeit und Zielgruppen. Viele Einzelhinweise wurden gegeben, die hier nicht referiert werden können. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert nach einer besseren Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde (zwei), sechs Personen wünschen sich eine akustisch verständlicher Sprache in der Predigt, vier eine kürzere und drei eine lebensnahere Predigt, fünf Personen einen lebendigeren und drei einen kind- und jugendgerechteren Gottesdienst, vier eine bessere Liederauswahl, und drei Taizefahrten / Taizegottesdienste / Taizekreis, zwei die Veröffentlichung des Jahresrückblicks im Kirchenblatt. Wunschlos sind ausdrücklich neun Personen und finden alles bestens.

6.3.4 Soziologische Untersuchungen zum Gebiet der Seelsorgeeinheit Gammertingen

6.3.4.1 Der Familienatlas 2007 des Bundesfamilienministeriums

Im Familienatlas 2007 werden die Ergebnisse der Forschung über die Familienfreundlichkeit der 437 Landkreise Deutschlands vorgestellt. Entsprechend der Klassifizierung nach sechs Kriterien nimmt der Landkreis Sigmaringen als „aufstrebende Region“ einen Platz im oberen Drittel der Landkreise ein. Als überdurchschnittlich gut schneidet der Landkreis ab bei

„Wohnsituation und Wohnumfeld“ (51.), bei „Bildung und Ausbildung“ (54.) und bei „Freizeit- und Kulturangeboten“ (79.). Eher durchschnittlich sind die

„Demographie- Rahmenbedingungen“(Bevölkerungsentwicklung) (151.) und die „Arbeitsmarktrahmenbedingungen“ (156.). Als unterdurchschnittlich wird

die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ eingestuft (377.). Die Handlungsempfehlung, „dringendst die Kinderbetreuung zu verbessern“, wurde inzwischen im Kindergarten St. Josef in Neufra, dem einzigen Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft in der SE Gammertingen, bereits umgesetzt. Dort werden seit einiger Zeit auch Kinder ab zweieinhalb Jahren aufgenommen und betreut werden. Der Bedarf war in einer Befragung der Eltern ermittelt worden.

6.3.4.2 Wegweiser demographischer Wandel der Bertelsmannstiftung

Während sich der Familienatlas 2007 auf den ganzen Landkreis Sigmaringen bezieht, seine Aussagen also nicht ohne Weiteres einfach auf jede Kreisgemeinde zu übertragen sind, beschäftigt sich der Wegweiser demographischer Wandel mit allen deutschen Gemeinden über 5000 Einwohner, also auch mit Gammertingen. Die Demographieforscher stellen für Gammertingen folgende Merkmale fest: Raum mit hohem Familienanteil – stabile Bevölkerungsentwicklung – viele Familien mit Kindern – überproportional junge Bevölkerung – Zuwanderung von Familien – Gemeinde eher mit Wohn – als Arbeitsortsfunktion – Abwanderung vieler Berufseinsteiger und Bildungswanderer (zw. 18 und 24 Jahren) – vergleichsweise wenige qualifizierte Arbeitskräfte – moderate Alterungsprozesse. Das Gesamturteil lautet: „stabile Stadt im ländlichen Raum“. Folgende Handlungsempfehlungen werden Gammertingen gegeben:

Profilierung als kinder- und familienfreundlicher WohnortQualitätsvolle Kinder- und JugendangeboteFlexible verlässliche KinderbetreuungszeitenHochwertiges Schulangebot sichern

Bezüglich der Altersstruktur in 10 Jahren (2020) wird sich der Anteil der unter 18jährigen bei 16,4% bewegen. Das entspricht dann etwa dem Landesdurchschnitt von Baden- Württemberg. Etwas günstiger schneidet dann Trochtelfingen mit 18,8 % ab. Mit 32,4 % wird aber der Anteil der über 60jährigen deutlich über dem Landesdurchschnitt mit 28,7 % und besonders über Trochtelfingen mit „nur“ 26,8 % liegen. Während in Gammertingen dann also jeder Dritte ein „Senior“ sein wird, wird es in Trochtelfingen „nur“ gut jeder Vierte sein. Bis 2020 wird die Gesamtbevölkerung in Gammertingen um etwa 3 % abnehmen, etwas mehr als in Sigmaringen (2 %) und etwas weniger als in Trochtelfingen (5 %). Ähnlich wie für Gammertingen sind auch die neuesten Daten des Landesamtes für Statistik für Neufra. Auffällig für Gammertingen sind die starken Wanderungsverluste bei den 18- 30jährigen und die leichten Wanderungsgewinne bei den über 50jährigen

6.3.4.3 Milieuforschung: Sinus- Milieu –Studie

Was sind Sinus - Milieus? Der Milieubegriff, wie er im Folgenden im Rückgriff auch auf die Ergebnisse des Heidelberger Forschungsinstituts Sinus Sociovision verstanden wird, umfasst Kontexte und Zusammenhänge bestimmter Bevölkerungsgruppen, die sich durch ähnliche Lebensbedingungen, Lebenserfahrungen, Lebensauffassungen, Lebensweisen, Lebensstile und Lebensführungen und eine verstärkte Binnenkommunikation ausweisen. Die Sinus – Milieus werden sowohl nach ihren jeweiligen Wertorientierungen (horizontale Gliederung A – B – C) als auch nach ihrer Position im sozialen Raum (vertikale Gliederung nach sozialem Status 1 – 2 –3) angeordnet. Je höher ein Milieu in der Milieukarte angesiedelt ist, desto gehobener sind Bildung, Einkommen und Beruf; je weiter das Milieu „rechts“ positioniert ist, desto postmoderner, ich-verankerter und experimentierfreudiger ist die Grundorientierung. Für jedes der zehn Milieus verfügt die Sinus – Milieu – Forschung über ein klares Porträt. Die Sinus – Milieus fassen also Menschen zusammen, die sich in Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Man könnte die Milieus – salopp gesagt – als „Gruppen Gleichgesinnter“ bezeichnen. Das Modell der Sinus – Milieus basiert auf den Wertorientierungen, Lebensstilen und ästhetischen Präferenzen, berücksichtigt aber auch die soziale Lage. Die Sinus – Milieus sind Basis- Zielgruppen für das strategische Marketing, die sich bereits in den unterschiedlichsten Märkten bewährt haben. Seit 2005 liegt nun auch ein Zielgruppen- Handbuch über die religiösen und kirchlichen Orientierungen in den Sinus – Milieus (von Carsten Wippermann und Isabelle de Magalhaes) vor, das von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurde. Und seit 2008 wissen wir auch, wie Jugendliche „ticken“ aus einer Sinus – Milieustudie U27 (von Carsten Wippermann und Marc Calmbach), herausgegeben vom BDKJ und Misereor. Durch Verknüpfung der Sinus – Milieus mit dem microgeografischen Datensystem MOSAIC, erstellt durch microm (Neuss), kann für jede geografische Raumeinheit die Milieuzusammensetzung der Bevölkerung abgerufen werden. Für die Seelsorgeeinheit Gammertingen und jede ihrer einzelnen Gemeinden besitzen wir also graphische „Milieuscheiben“ mit Prozentangaben des Anteils der einzelnen Milieus an der jeweiligen Einwohnerschaft. (MOSAIC – Milieus). Wenn unsere pastorale Planung also die Wertorientierungen und Lebenswelten der Menschen berücksichtigen will, dann besitzen wir eine aktuelle, sachlich fundierte Grundlage.

Für die Neuausrichtung der Pastoral mit besonderer Berücksichtigung der Lebenswelt der Menschen ist also die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Sinus – Milieu – Forschung unerlässlich. Die beiden Sinus – Milieu – Kirchenstudien kommen zu folgenden Feststellungen (www.medien-dienstleistung-gmbh.de; 2008):

Bei Mitgliedern hat die Kirche einige Imageprobleme: sie nehmen sie als wenig beweglich wahr, und sie erscheint ihnen nicht ausreichend an der Lebenswelt der Menschen orientiert.

Das soziale, karitative und pädagogische Engagement der katholischen Kirche genießt insgesamt hohe Wertschätzung, wird aber kaum der Kirche als deren Aktivität zugeschrieben.

Die alltägliche Sinnsuche und Sinnfindung orientiert sich immer weniger am kirchlichen Sinnangebot.

Für nur noch dreieinhalb der zehn Milieus ist die katholische Kirche ein lebensrelevanter Faktor, nämlich die „traditionellen“ Milieus der Traditionsverwurzelten und Konservativen und das „moderne“ Milieu der bürgerlichen Mitte und zum Teil der Postmateriellen. Die Kernmitglieder der Kirche rekrutieren sich vor allem aus dem kleinbürgerlichen Milieu der Traditionsverwurzelten. Für eine familienbezogenen Pastoral (Familiengottesdienste; Familientage; Familienprojekte) sind vor allem Menschen aus der bürgerlichen Mitte ansprechbar.

In diesen dreieinhalb Milieus sind auch die Mitglieder der katholischen Jugendverbände beheimatet, aber nur ein Viertel der katholisch getauften Jugendlichen gehört den genannten Milieus an. Die übrigen Jugendlichen gehören also „modernen“ oder „postmodernen“ Milieus an, die nur einen sporadischen oder gar keinen Kontakt zur Kirche haben. Bedenklich ist, dass bereits heute über vierzig Prozent der katholischen Jugendlichen den besonders kirchenfernen Leitmilieus der Zukunft angehören, nämlich den Performern und den Experimentalisten.

Vertreter der beiden genannten traditionellen Milieus nehmen die Kirche als wichtiges Fundament der christlich- abendländischen Kultur wahr. Es gibt hier das Ideal der klassischen Volkskirche mit dem Pfarrer als Autorität. Es sind aber auch kritische Töne zu hören, weil die Kirche durch zu starres Festhalten an überkommenen Positionen und Strukturen immer weniger junge Menschen erreicht. Kirchliche Riten und Symbole sind vielfach im Alltagsleben der Milieuvertreter verankert.

In „modernen“ Leitmilieus der Etablierten und Postmateriellen findet vielfach eine intensive Auseinandersetzung mit der Sinnfrage statt. Hier wird die Kirche als Bewahrerin von Werten und als gesellschaftliche Kraft wahrgenommen. Die Milieus schätzen auch die christliche

Hochkultur und Kunst. Als Bildungs- und Kommunikationsforum hat die Kirchengemeinde eine wichtige Funktion. Familie und familiäre Nahwelt bestimmen den Alltag dieser Milieutypen besonders der bürgerlichen Mitte. Sinn und Moral werden aus katholischen Angeboten, aber auch aus anderen Quellen gespeist.

Im Alltag der sogenannten „postmodernen“ Milieus der modernen Performer, Experimentalisten und Hedonisten gibt es kaum eigene Erfahrungen mit der Kirche. Diese Milieus haben Probleme mit Sprache und Ästhetik der katholischen Kirche. Es gibt aber die Bereitschaft zu projektspezifischer Mitarbeit. Moderne Performer haben hohes Interesse an allem, was ihnen Kraft und Energie für die Bewältigung extremer Alltagsanforderungen gibt. Hedonisten betrachten die Kirche als Rettungsanker für Menschen mit sozialen und existentiellen Problemen.

Indem die beiden Kirchenstudien sehr eindrücklich auf die zunehmende Distanz der Kirche zu den Menschen in unserer Gesellschaft aufmerksam machten und damit auch die Säkularisierungsthese bestätigten, erweckten sie auch hier und da die Hoffnung, durch ein umfassendes Programm einer milieuadäquaten Pastoral den rückläufigen Trends kompetent entgegenwirken zu können. Die lebensweltlichen Kenntnisse der Studien konnten als eine Art „Trickkiste“ verstanden werden: Wenn man die jeweiligen Wertorientierungen, insbesondere die religiösen, kirchlichen und ästhetischen Einstellungen der Milieus kennt, kann man sie quasi „milieugerecht“ und „milieusensibel“ bedienen und wieder kirchlich einbinden. Ebenso schnell wurde aber klar, dass eine derart

„kundengerechte“ Pastoral kaum der Gefahr oberflächlicher Anbiederung und lächerlicher Imitation und damit auch der Gefahr der Selbstaufgabe entgehen kann. Menschen leben in ihren Wertorientierungen auch um sich abzugrenzen. Sie lassen sich nicht auf einen Tausch ihrer Wertorientierungen ein. Was also ist zu tun?

Die in der kirchlichen Pastoral Tätigen müssen sich zunächst ihrer eigenen Milieubegrenztheit bewusst werden, um auch einen Blick und Verständnis für Menschen in anderen Milieus zu entwickeln.

Da der Sendungsauftrag Jesu allen Völkern (und Milieus) gilt und alle Menschen zum Heil berufen sind, müssen sich die in der Pastoral Tätigen fragen, wie sie die der Kirche inzwischen entfremdeten Milieus mit Jesu Sendungsauftrag besser erreichen können in den Grunddiensten der (zeitgemäßen) Verkündigung, der (milieusensiblen) Liturgie und der Caritas - Diakonie aktueller Notlagen. Der missionarische Auftrag muss der konkreten Lebenssituation der Menschen gerecht werden und die unterschiedlichen Verstehensmöglichkeiten der Menschen berücksichtigen, wenn die frohe Botschaft auch bei ihnen ankommen soll.

Letztlich kommt es darauf an, dass Menschen in unterschiedlichen Lebenswelten die Lebensrelevanz des Evangeliums und die österliche Auferstehungswirklichkeit für sich entdecken. Sie sollen in Wort und Tat ein Leben im Horizont Gottes als Ermöglichung von Freiheit, Hoffnung und Liebe erfahren. Sie sollen verstehen, dass Angst, Trauer und Hoffnungslosigkeit im Vorgriff auf die sich vollendende Gottesherrschaft bewältigen lasse.

6.3.4.4 Die Milieuverteilung in der SE Gammertingen

Die sogenannte MOSAIC - Milieuscheibe weist für die SE Gammertingen folgende Milieuverteilung auf (in Klammern jeweils die Vergleichszahlen für Deutschland 2009).

Traditionsverwurzelte: 22 Prozent ( 14%)Bürgerliche Mitte: 18 Prozent ( 15 %)Etablierte: 14 Prozent (10%)Konsum- Materialisten: 13 Prozent ( 12%)Hedonisten: 13 Prozent ( 11%)Konservative: 6 Prozent ( 5%)Moderne Performer: 5 Prozent ( 10%)Postmaterielle: 4 Prozent ( 10%)DDR-Nostalgische: 3 Prozent (4%)Experimentalisten: 2 Prozent ( 9%)

Welche Konsequenzen für eine milieuorientierte Pastoral ergeben sich aus diesen Zahlen für die SE Gammertingen? Legt man die Erkenntnisse der beiden Milieuhandbücher von Wippermann zugrunde und vor allem die prägnanten Beschreibungen der unterschiedlichen religiösen und kirchlichen Ansprechbarkeit der einzelnen Milieus von Michael N. Ebertz in den beiden von ihm im Echter – Verlag (Würzburg) herausgegeben Sammelbänden „Hinaus ins Weite“ (2008) und „Milieupraxis“ (2009), dann könnten sich folgende Konsequenzen für die Pastoral in der SE Gammertingen ergeben:

Das Milieu der Traditionsverwurzelten ist das Milieu unserer Kernmitglieder. Mit 22 % ist es im Deutschlandvergleich (nur 14%) recht stark und in unserer SE das größte Milieu. Da auch die in der Pastoral Tätigen – Hauptamtliche wie Ehrenamtliche – wohl am ehesten diesem Milieu zuzuordnen sind, wird dieses Milieu weiterhin die Hauptzielgruppe der Pastoral sein. Angehörige dieses Milieus sind die Einzigen von allen Milieus, die eine Dauervergemeinschaftung / Dauerbeheimatung in ihrer Pfarrgemeinde suchen. Sie werden also weiterhin das umfassende Angebot des glaubensgestützten

Gemeindelebens erfahren im Rahmen der personellen Möglichkeiten: Eucharistiefeiern, Wort – Gottes – Feiern, Andachten, Sakramente, Wallfahrten, Prozessionen, Gemeindefeste usw.

Das „moderne“ Milieu der bürgerlichen Mitte sucht nicht unbedingt eine Dauerbeheimatung in der Pfarrgemeinde, nimmt aber familienbezogene Pastoralprojekte gerne in Anspruch wie: Familien- Jugend- und Kindergottesdienste, Mehr-Generationen-Gottesdienste, Gottesdienste im Freien, Familientage, familienbezogene Riten an Lebenswenden (Taufe, Erstkommunion, Einschulung, Firmung, Hochzeit, Beerdigung), Weihnachtsgottesdienste. Dieses Milieu ist ebenfalls für Fragen der Ökumene und für Frauenfragen aufgeschlossen. Abgelehnt werden Routinegottesdienste, in denen Kinder oder Jugendliche nicht ernstgenommen werden. Mit 18 % übertrifft dieses Milieu knapp den Deutschlandschnitt mit 15% und ist bei uns das zweitgrößte Milieu und stellt daher weiterhin eine große pastorale Herausforderung dar.

Ein insgesamt positives Verhältnis zur Kirche hat auch das gehobene Bildungsbürgertum des konservativen Milieus. Es sieht in der Kirche, ihrem christlichen Menschenbild und ihren Werten die Grundlage der abendländischen Kultur und den Garanten gesellschaftlicher Stabilität. Wegen eines gehobenen Kulturanspruchs hält man sich von der kleinbürgerlich geprägten und „ungebildeten“ Pfarrgemeinde fern. Was sie allein in die Kirche lockt, sind Gottesdienste mit liturgischer Prachtentfaltung, geleitet von gebildeten Priestern. Auch für Bildungsreisen und historische Vorträge sind sie zu gewinnen. Reformen in der Kirche stehen sie als Konservative ablehnend oder skeptisch gegenüber. In unserer SE liegt dieses Milieu mit 6 % etwa im Bundesdurchschnitt mit 5%. Als gebildete, vom „Pöbel“ sich fernhaltende Oberschicht selbständig Denkender legt dieses Milieu keinen Wert auf eine aufdringliche Betreuungspastoral. Hier wäre vor allem das Bildungswerk gefordert.

Das Gleiche gilt auch für das etwas modernere und liberalere Oberschichtsmilieu der beruflich erfolgreichen Etablierten. Für sie ist die Kirche „für andere“, die man selbst nicht nötig hat. Ebenso wie die Konservativen hat man einen gehobenen, sogar elitären und exklusiven Geschmack und weiß sein Leben mit hohem Einkommen selbstverantwortlich und in kreativer Selbstverwirklichung zu organisieren. Die Pfarrgemeinde wird dazu nicht gebraucht. Einen Zugang zur Kirche finden sie nur über Angebote von hoher kultureller Qualität: konzertante Gottesdienste, Kunst- und Bildungsreisen bzw. Veranstaltungen. Mit 14 % ist dieses Milieu das drittstärkste in unserer SE und liegt damit signifikant über dem Bundesdurchschnitt mit nur 10 %.

Auch hier ist wie bei den Konservativen vor allem das Bildungswerk gefordert.

„Modern“ und „progressiv“ eingestellte Menschen mit hoher Bildung und überdurchschnittlichem Einkommen finden sich häufig im Milieu der Postmateriellen. Als typische Alt-68er (sozialistische Studentenprotestbewegung in den Jahren 1968ff.) sind sie gesellschaftskritisch eingestellt und vor allem an Fragen der Gerechtigkeit (Eine Welt/ Globalisierungsopfer), der Frauenemanzipation, der Basisdemokratie und der Ökologie interessiert, aber auch an klassischer Allgemeinbildung (Kunst, Philosophie, Literatur, Geschichte).Für entsprechende kirchliche Projekte oder Bildungsangebote sind sie durchaus zu gewinnen. Mit der hierarchischen und monarchischen Kirchenstruktur der katholischen Kirche und der in ihr fehlenden Gleichberechtigung der Frauen haben sie verständlicherweise ihre Probleme. An einer kritischen Bibelwissenschaft (historisch-kritische Methode) und einer intellektuell herausfordernden Theologie und Religionswissenschaft sind sie interessiert. Generell wird man ihnen ein großes Interesse an aktuellen gesellschaftlichen, religiösen, wissenschaftlich - philosophischen Zeitfragen attestieren dürfen. Mit nur 4% ist dieses Milieu in unserer SE im Bundesvergleich mit sogar 10% deutlich unterrepräsentiert, was aber nicht bedeuten kann, dass man dieses immerhin sogenannte „Leitmilieu“ in der Pastoral gänzlich vernachlässigt.

Das einfache, schlichte, bildungsferne und einkommensschwache Unterschichtsmilieu der Konsum-Materialisten steht der Kirche mit ihrer abgehobenen „geschwollenen“ Kirchensprache, ihrem angeblichen Reichtum und ihrer angeblichen Distanz zur Unterschicht misstrauisch gegenüber. Von ihr erwarten sie höchstens diakonische Hilfe im Überlebenskampf (Jobsuche, Überschuldung, Schulprobleme usw.). Einfache Gottesdienste mit kurzen und verständlichen Lebenshilferegeln und Gospelliedern stoßen auf ihr Interesse. Mit 13% liegt dieses Milieu in unserer SE knapp über dem Bundesdurchschnitt mit 12% und nimmt damit bei uns den vierten Platz ein zusammen mit dem im Folgenden zu behandelnden Milieu der

Hedonisten. Bildungsabstinent und einkommensschwach sind sie die Unterschicht der „postmodernen“ Milieugruppe. Stärker ichbezogen und weniger angepasst als die „moderne“ Unterschicht der Konsummaterialisten, bilden sie das Hauptmilieu unserer Spaßgesellschaft: „Action“, Szene, Fankultur, Provokation, Kraftsport, Motorrad, Clique, Club, Piercing und Tattoos und Spontaneität sind ihre Welt. Die Kirche wird von ihnen daher vor allem als eine altmodische, langweilige, verbürgerlichte und lustfeindliche Institution

wahrgenommen. Für erlebnisorientierte Open – Air - Gottesdienste mit

„Event“ - Charakter wären sie zu haben. Ihr Anteil liegt in der SE Gammertingen bei13 %, in Deutschland knapp darunter bei 11 % Ob eine spezifische Hedonisten-Pastoral wegen der radikalen Augenblicks-, Diesseits- und Spaßorientiertheit ohne Anbiederung möglich ist, ist die Frage. Und wer fühlt sich von den in der Pastoral Tätigen als

„Brückenbauer“ zu diesem Milieu berufen?

Die beiden höheren „postmodernen“ auf individuelle Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung ausgerichteten Milieus sind die Experimentalisten und Modernen Performer. Mit höheren Bildungsabschlüssen und meist auch höherem Einkommen als die Hedonisten, sind sie intellektuell anspruchsvoller als diese und weniger klischeebehaftet, können aber mit dem traditionellem Angebot der Kirchen wenig anfangen. Für spirituelle und mystische Traditionen zur Steigerung der Selbsterfahrung und zur Bewältigung von Alltagsstress sind sie aufgeschlossen. In der SE Gammertingen umfassen beide Milieus zusammen 7%. Das ist sehr wenig im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von zusammen 19%! Auch hier stellt sich die Frage hinsichtlich der insgesamt kleinbürgerlichen Prägung der Kerngemeinde die Frage nach geeigneten „Brückenbauern“ zu diesen Leitmilieus der Zukunft.

Die marxistisch geprägten und daher atheistisch ausgerichteten Ostdeutschen als Verlierer der deutschen Wiedervereinigung, sogenannte DDR- Nostalgische können hier außer Betracht bleiben, umfassen aber auch nur 3 % der Bevölkerung der SE Gammertingen.

Das Dilemma:

Das Milieu der Kernmitglieder der SE Gammertingen, nämlich der Traditionsverwurzelten ist die Generation der über 60jährigen, ebenso wie das kirchenfreundliche, aber pfarrgemeindedistanzierte Milieu der Konservativen. Glücklicherweise finden wir in unseren Kerngemeinden auch noch jüngere Menschen, meist 30 Jahre und älter und in der Regel weiblich, besonders aktiv bei Kinder- Jugend- und Familiengottesdiensten; daher wohl dem Milieu der Bürgerlichen Mitte zuzuordnen, dessen Alter mit 30 bis 50 angegeben wird. Ein Blick in unsere Sonntagsgottesdienste bestätigt den Eindruck. Außer den Ministranten und einigen angehenden Kommunionkindern finden wir kaum Gottesdienstbesucher unter 30 Jahren.

Das Alter der kirchenkritischen und kirchenfernen „Zukunftsleitmilieus“ der „postmodernen“ Experimentalisten und Modernen Performer wird mit 19 bis 34 Jahren angegeben: Nicht ohne Grund fehlt diese Altersgruppe im Gottesdienst.

Bedenklich aber wird die gegenwärtige Kirchensituation, wenn wir aus dem speziellen Jugendhandbuch von Sinus sociovision erfahren, dass von den 14 bis 27jährigen nur noch 4 % traditionsverwurzelt sind und 14 % der Bürgerlichen Mitte zugeordnet werden. Hinzu kommen noch die 6 bis 8% kircheninteressierten aber auch sehr kirchenkritischen postmateriellen Jugendlichen. Dann ergibt sich, dass nur noch etwa 20 bis 25% der katholischen Jugendlichen von ihrer Kirche/ Pfarrgemeinde erreicht werden, denn 55 % der Jugendlichen von 20 bis 27 Jahren und sogar 65 %(!) der 14 bis 19jährigen Jugendlichen sind schon bei den „postmodernen“ kirchendistanzierten/kirchendesinteressierten Milieus der Hedonisten, Experimentalisten und Modernen Performern angekommen. Kann die Kirche in ihrer gegenwärtigen Gestalt und Wirkungsweise unter diesen Gegebenheiten noch Zukunft haben? Diese Frage stellt sich mit großer Dringlichkeit, ohne dass eine Antwort in Sicht wäre. Es darf aber kritisch gefragt werden, ob die Grundkonstanten menschlichen Lebens wie Liebe, Freiheit, Hoffnung, Leid, Glück, Einsamkeit, Menschenwürde, Solidarität, Gewalt, Hass, Freude und Tod ohne transzendenten Bezug auf Dauer gelebt und bewältigt werden können.

7. Ziele und Maßnahmen in den einzelnen Handlungsfeldern

Aus der Situationsanalyse der Seelsorgeeinheit Gammertingen sind nun für die Neuausrichtung der Pastoral die richtigen Ziele und die dazu notwendigen Maßnahmen abzuleiten.

Einen Versuch, aus dem gesamten Datenmaterial der Situationsanalyse die angemessenen Konsequenzen für eine zukunftsfähige Pastoral zu ziehen, hatte der Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses unmittelbar zu Beginn des Jahres 2009 allen Pfarrgemeinderäten der SE Gammertingen zugeleitet mit der Bitte um Überprüfung d.h. Ergänzung oder Streichung, Textänderung oder Textumformulierung der Vorlage. Außerdem hatte er die Pfarrgemeinderäte gebeten, die vielen möglichen Ziele und Maßnahmen einer zukünftigen Pastoral nach den Kategorien „Auftrag“, „Aufbruch“ oder

„Abschied“ zu bewerten. Weiterhin sollten sie die jeweils bereits von ihm vorgeschlagenen Verantwortlichkeiten überprüfen und gegebenenfalls ergänzen bzw. präzisieren. Außerdem sollten sie die Dringlichkeitszeiträume für die Inangriffnahme der einzelnen Ziele/Maßnahmen/Projekte (kurzfristig

– mittelfristig – langfristig) ins Auge fassen. Die so von allen überarbeitete Textvorlage sollte dann bei der Frühjahresklausur in Heiligkreuztal am 6. und 7. März Diskussions- und Abstimmungsgrundlage für die Pastoralkonzeption der SE Gammertingen sein.

Die Pfarrgemeinderäte beschäftigten sich in Heiligkreuztal mit der Frage: Was wollen wir „neu“, was wollen wir „vertiefen“ und was wollen wir

„verabschieden“? Mit der Frage nach der Verantwortlichkeit werden sich sinnvoller Weise erst die Mitte März 2010 neu- bzw. wiedergewählten Pfarrgemeinderäte und der neue Gemeinsame Ausschuss beschäftigen. Für Vorbereitung und Durchführung der Klausur waren verantwortlich: Pastoralreferent Matthias Kopp, die stellvertretende Vorsitzende des Gemeinsamen Ausschusses, Hildegard Butscher und Pastoralreferent in Ausbildung, Daniel Dombrowsky.

In der Schlusssitzung aller Pfarrgemeinderäte der SE Gammertingen am 23. 02. 2010 wurden folgende Ziele und Maßnahmen beschlossen und den einzelnen Handlungsfeldern der Pastoral zugeordnet:

Glaubensvermittlung:

Ziel: Wir wollen mit einer verständlichen Sprache und intellektueller Redlichkeit milieuübergreifend die Menschen mit der christlichen Frohbotschaft besser erreichen.

Maßnahmen:

- Wir werden uns stärker im ökumenischen Gesprächskreis einbringen.

- Die Bildungswerke in Gammertingen und Neufra werden sich verstärkt Fragen des Glaubens und Gegenwartsfragen aus dem Glauben heraus in Vorträgen zuwenden.

- Die beiden Bildungswerke und die Pfarrgemeinden werden Kunst, Musik und Architektur in Exkursionen, Führungen und Kirchenkonzerten als Wege zum Glauben oder Hilfen zum Glauben stärker nutzen und fördern (PL 4.3.2).

- Die Homepage der Seelsorgeeinheit wird als moderne Kommunikationsform auch für die Glaubensvermittlung eingesetzt.

- Die Erzieherinnen des Kindergartens St. Josef in kirchlicher Trägerschaft in Neufra werden einmal jährlich dem dortigen Pfarrgemeinderat über ihre Wege in der religiösen Erziehung berichten. Die Verantwortung für diese Treffen liegt beim Pfarrgemeinderat.

Sakramentenvorbereitung:

Ziel: Wir werden für die betroffenen Menschen die Sakramente als wirksame Zeichen des göttlichen Heils und des göttlichen Mysteriums lebensbereichernd erfahrbar machen.

Maßnahmen:

- Die differenzierten Modelle und Impulse des Erzbistums werden stärker berücksichtigt werden.

- Die Betroffenen (und u.U. ihre Eltern) werden in der Vorbereitung und in der Feier stärker als Subjekte miteinbezogen werden.

- Die Hilfen des Dekanates besonders in der Ehevorbereitung werden verstärkt in Anspruch genommen.

- In der Taufpastoral werden auch nach der Taufe der Kinder die Kontakte zu den Eltern aufrecht erhalten.

- Die in der Sakramentenvorbereitung engagierten ehrenamtlichen Katecheten werden rechtzeitig auf ihre schwierige Aufgabe vorbereitet und mit Rat und Tat begleitet. Das betrifft vor allem die Kommunion- und Firmvorbereitung.

Bildung:

Ziel: Wir werden umfassende Möglichkeiten und Wege der religiösen, personalen und kulturellen Persönlichkeitsbildung nutzen und bereitstellen. Maßnahmen:

- Wir werden weiterhin über die Bildungswerke Reisen, Exkursionen und Vorträge mit Bildungsanspruch
anbieten.

- Das Programm des Bildungswerks wird stärker mit Vorträgen zu aktuellen religiösen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und kirchlichen Zeitfragen angereichert werden.

- Eine Fusion oder eine arbeitsteilige Struktur der beiden bestehenden Bildungswerke in Gammertingen und Neufra wird in Angriff genommen werden.

- Die Verantwortlichen für den Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft in Neufra werden sich jährlich über die ganzheitliche Persönlichkeitsbildung auf der Grundlage des Orientierungsplans mit den Erzieherinnen austauschen. Zu diesem „Runden Tisch“ werden auch die Verantwortlichen der politischen Gemeinde, der Grundschule und des Elternbeirats eingeladen. Die Verantwortung für den „Runden Tisch“ liegt beim Pfarrgemeinderat.

- Die Leiterinnen und Leiter der örtlichen Frauengemeinschaften und Seniorenwerke werden überlegen, wie sie ihr traditionelles Programm mit zeitgemäßen Bildungsangeboten erweitern können. Sie werden dabei auch die Anregungen des Erzbistums in Anspruch nehmen. Außerdem werden sie überlegen, wie weit eine engere Kooperation möglich sein wird.

- Die Religionslehrerinnen und Religionslehrer der drei Grundschulen in Gammertingen, Feldhausen und Neufra und

der weiterführenden Schulen in Gammertingen werden weiterhin unter Berücksichtigung die Freiburger Empfehlungen zur Schulpastoral überdenken und überlegen, wieweit sie jeweils umsetzbar wären. Die Verantwortung tragen die Religionslehrer in Zusammenarbeit mit dem Pastoralteam.

Liturgie:

Ziel: Die Feier des göttlichen Mysteriums soll in unterschiedlichen Formen und Ausdrucksmitteln differenziert für verschiedene Menschengruppen stärker erlebbar gestaltet werden.

Maßnahmen:

- Der Gemeinsame Ausschuss bemüht sich zusammen mit dem Leiter der Seelsorgeeinheit um eine gerechte Verteilung der Gottesdienste auf die einzelnen Pfarrgemeinden.

- Haupt- und ehrenamtlich im liturgischen Bereich Engagierte werden sich weiterhin bemühen, den traditionsverwurzelten Kernmitgliedern ein umfassendes Angebot glaubensstützender Gottesdienste und liturgischer Handlungen zu bieten: Eucharistiefeiern, Wort-Gottes-Feiern, Segnungen, Andachten, Prozessionen, Wallfahrten, Gebetstreffen u.ä

- Wir werden jugendgerechte Gottesdienste gestalten (eventuell mit Unterstützung der Dekanatsjugendreferenten), wobei die Jugendlichen aktiv in Vorbereitung und Gestaltung miteinbezogen werden.

- Wir werden weiterhin kind- und familiengerechte Gottesdienste gestalten. Auch hier sollen Familien aktiv miteinbezogen werden.

- Der Gottesdienst beim jährlichen Weltgebetstag der Frauen wird besonders intensiv vorbereitet, da er nämlich sowohl ökumenisch und solidarisch als auch milieuübergreifend angelegt ist. Die Verantwortung liegt bei den örtlichen Pfarrgemeinderäten und den Frauengemeinschaften.

- Mindestens einmal jährlich wird ein zentraler Gottesdienst für die Katholiken der ganzen Seelsorgeeinheit angeboten. Damit soll die Zusammengehörigkeit der Pfarrgemeinden der SE zum Ausdruck kommen und gefördert werden.

- Es werden alternative Formen der Gottesdienste ausprobiert werden z.B. Freiluftgottesdienste und Segnungsgottesdienste für bestimmte Personengruppen.

- Die Ministrantenunterweisung und ihre Begleitung ist zuvörderst Aufgabe des Pastoralteams. In Absprache mit diesem kann aber jeder Pfarrgemeinderat zu diesem Zweck einen geeigneten Ministrantenbeauftragten bestimmen.

- Konzertante Gottesdienste und Kirchenkonzerte, die auch Menschen außerhalb der Kerngemeinde erreichen, werden weiterhin gefördert werden. Die diesbezüglichen Musiker und Chöre erfahren dabei jede erforderliche Unterstützung.

- Das Pastoralteam und die örtlichen Pfarrgemeinderäte bemühen sich, Leiter von Wort-Gottes- Feiern und Andachten zu finden, zu motivieren, zu qualifizieren und geistlich zu begleiten.

- Die Gestaltung des jährlichen Fronleichnamsgottesdienstes fällt in die Verantwortung jeder einzelnen Pfarrgemeinde.

Diakonie

Ziel: Wer in unserer Seelsorgeeinheit - in welcher Weise auch immer - Not leidet, soll die Liebe, Zuwendung und Hilfe des menschenfreundlichen Gottes durch uns erfahren.

Maßnahmen:

- Der Ausschuss für „Caritas und Soziales“ wird in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Pfarrgemeinderäten und mit Nutzung des Sachverstands der verbandlichen hauptamtlichen Caritas in Sigmaringen und der Sozialstation St. Martin und ebenso der gezielten ausschussbezogenen Anregungen des Erzbistums die unterschiedlichen Gruppen Notleidender ermitteln und entsprechende Hilfen vorschlagen. Er kann auch caritative Projekte für die Seelsorgeeinheit anregen. Um wirkungsvoll zu arbeiten, soll er zwei Mal jährlich tagen.

- Die Seniorenarbeit findet weiterhin die volle Unterstützung der verantwortlichen Gremien. Angesichts der demographischen Entwicklung („Vergreisung“ der deutschen Gesellschaft) wird sie zukünftig eine immer größere Rolle spielen. Die einzelnen Pfarrgemeinden mögen in Zusammenarbeit mit den politischen Gemeinden regelmäßige Seniorennachmittage und Seniorenausflüge anbieten.

- Ein Krankenhausbesuchsdienst für alle Pfarrgemeinden soll angestrebt werden.

- Die Krankenbesuche in den einzelnen Pfarrgemeinden finden weiterhin die notwendige Förderung durch die Pfarrgemeinden.

- Das Pastoralteam wird weiterhin Sorge tragen für die Sterbe- und Trauerbegleitung.

- In Kooperation mit der Sozialstation wird eine Unterstützungsstruktur für Pflegende Angehörige errichtet bzw. fortgeführt werden.

- Ob ein Geburtstagsbesuchsdienstes eingerichtet wird, das entscheidet die jeweilige Pfarrgemeinde in eigener Verantwortung.

- Für die Integration von Kindern aus benachteiligten Elternhäusern u.U. mit Migrationshintergrund trägt der Kindergarten eine große Verantwortung. Vom christlichen Menschenbild her dürfte ihm in der Orientierung an Jesus dem Kinderfreund diese Aufgabe nicht schwer fallen. Hier wäre auch eine wichtige Aufgabe für die Schulpastoral zu sehen.

- Die Familien befinden sich als Keimzelle der Gesellschaft heute häufig angesichts der wirtschaftlichen, aber auch pädagogischen Situation in einer schwierigen Lage. Als Primärinstanzen für die Glaubensweitergabe sind sie inzwischen weithin überfordert. Daher ist zu überlegen, ob diesbezüglich die Organisation von Familientagen/ Familiennachmittagen ins Auge gefasst werden sollten. Ein vom Gemeinsamen Ausschuss zu gründender Familien- und Jugendausschuss könnte hier eine wirksame Hilfe sein.

- Dieser Ausschuss sollte auch zur Unterstützung der Jugendarbeit Jugendprojekte initiieren u.U. in Kooperation mit den jeweiligen Kommunen.

Strukturen der Mitverantwortung:

Ziel: Für eine wirkungsvolle Arbeit aller in der SE in der Pastoral Tätigen sind Strukturen der Mitverantwortung anzustreben, die sich auszeichnen durch gegenseitiges Vertrauen, Transparenz, Kommunikation und Kooperation.

Maßnahmen:

- Die Pfarrgemeinderäte insbesondere ihre Vorsitzenden erhalten von den in der SE hauptamtlich Tätigen rechtzeitig alle notwendigen Informationen, um eine verantwortungsvolle und sachgerechte Meinungsbildung und Beschlussfassung in den Pfarrgemeinderatssitzungen zu ermöglichen.

- Wichtige in den Dienstbesprechungen des Pastoralteams festgelegte Termine und dort gefasste Beschlüsse und Ergebnisse werden umgehend den Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte mitgeteilt.

- Die für alle Pfarrgemeinderäte relevanten Jahrestermine (Klausuren, Ausflüge u.a.) werden im Gemeinsamen Ausschuss gemeinsam festgelegt.

- Zu den Sitzungen der Stiftungsräte, der Pfarrgemeinderäte und des Gemeinsamen Ausschusses sind Einladungsfristen und Schriftform mit Angabe der Tagesordnungspunkte entsprechend der Geschäftsordnung des Erzbistums zu beachten.

- In der Pfarrgemeinde Neufra ist wegen unklarer kirchenrechtlicher Abgrenzung zwischen den Aufgaben des

dortigen Pastoralreferenten und des Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats eine klare Zuständigkeitsregelung zu treffen. Dabei ist zu überlegen, wieweit der Pfarrgemeinderatsvorsitzende dem Pastoralreferenten pfarrgemeinderatsbezogene Kompetenzen und Aufgaben abnehmen kann, um den Pastoralreferenten für seine eigentliche Arbeit in der SE zu entlasten.

Öffentlichkeitsarbeit:

Ziel: Die SE Gammertingen wird die Kirchenmitglieder und die Öffentlichkeit über das Kirchenblatt, Amtsblatt, die Tagespresse und das Internet über das kirchliche Geschehen in der SE, aber auch im Erzbistum und in der Weltkirche angemessen informieren.

Maßnahmen:

- Die im Jahre 2007 gegründete Medienkommission wird neu konstituiert und jährlich einmal zur Überprüfung der Öffentlichkeitsarbeit nach Maßgabe seiner Beschlüsse vom Leiter der SE einberufen.

- Für die Aktualisierung der Homepage der SE wird die Verantwortlichkeit festgelegt. Die Homepagearbeit wird ebenfalls jährlich von der Medienkommission überprüft. Da die einzelnen Pfarrgemeinden der SE über keine eigenen Homepages verfügen, sollen diese mit ihren Verantwortungsträgern, Gruppierungen und Aktivitäten auf der gemeinsamen Homepage zur Darstellung kommen.

- Der Caritasausschuss trägt dafür Sorge, dass die Öffentlichkeit umfassend und regelmäßig über das caritative Hilfs- und Beratungsangebot der SE und der Caritasstelle Sigmaringen informiert wird.

- „Das Medium Internet soll zu einer durchgängigen Informationsplattform werden. Die Kommunikation und Erreichbarkeit auf dem Wege der elektronischen Post (E-Mail) wird für alle kirchlichen Einrichtungen als Standard eingeführt.“(PL.6.3) Das gilt für alle kirchlichen Institutionen der SE.

Gemeinschaftspflege:

Ziel: Seelsorgeeinheit und Pfarrgemeinden werden im christlichen Geist angemessene Formen der Gemeinschaftspflege für die im Dienst der Kirche tätigen, aber auch für alle interessierten Menschen entwickeln oder fortführen.

Maßnahmen:

- Die örtlichen Pfarrgemeinderäte können Pfarrfeste als Feste der Freude und der Fröhlichkeit zum Zwecke der Förderung des Gemeinschaftslebens organisieren. Bei diesen Festen sollte ein eigenes christliches Profil deutlich werden.

- Zum Dank für ihren Einsatz für die Pfarrgemeinde sollten für die im Kirchendienst ehren- und hauptamtlich tätigen Menschen jährlich Mitarbeiterfeiern organisiert werden. Die Verantwortung liegt bei den jeweiligen Pfarrgemeinderäten.

- Bei den Gemeinschaftstreffen der Pfarrgemeinderäte und der Hauptamtlichen der SE (z.B. Klausuren) sollte der gesellige Aspekt zur Förderung der guten Zusammenarbeit und der Integration nicht zu kurz kommen. Freude und Fröhlichkeit stehen den erlösten Christen von der Frohen Botschaft her gut an.

- Zur Mitarbeiterpflege werden auch Ausflüge, Exkursionen und sonstige Freizeitaktivitäten für die Ministranten organisiert.

- Liturgische und kirchliche Feste (z.B. Patrozinium, Erntedank, Fronleichnam) können mit einer festlichen Bewirtung bereichert werden. Die Verantwortung liegt bei den einzelnen Pfarrgemeinden.

- Als geeignete Form einer fröhlichen Gemeinschaftspflege hat sich in einzelnen Pfarrgemeinden auch die Frauenfasnet bewährt.

- Das Gleiche gilt auch für das jährliche Pfingstlager der SE für die Jugend, speziell für die Ministranten.

- Die bestehenden Kontakte zu nichtkatholischen und nichtchristlichen Gemeinschaften z.B. zu den Muslimen werden ausgebaut.

7. Auftrag – Aufbruch – Abschied

Aus den Ausführungen zu den einzelnen pastoralen Handlungsfeldern, insbesondere aus den Zielformulierungen, wird klar, was wir als unseren Auftrag ansehen. Zu klären wäre nun noch, was wir als innovativen Neuaufbruch betrachten oder vertiefen wollen und was wir wegen mangelnder Nachfrage oder fehlender personeller oder finanzieller Mittel auf dem Hintergrund der Pastoralen Leitlinien verabschieden wollen. Weiterhin ist zu klären, welche Ziele bzw. Maßnahmen wir sofort/kurzfristig oder später/langfristig umsetzen wollen. Dieser Aufgabe haben sich die Pfarrgemeinderäte bei ihrer Frühjahresklausur im März 2009 unterzogen. Die Reihenfolge gibt die von den Pfarrgemeinderäten mit Punkten festgelegte zeitliche Dringlichkeit wieder. Das Ergebnis ist folgendes:

Neuaufbruch: Vertiefen: :

Alternative Gottesdienste 1. Koordination CaritasausschussFamilientag 2. JugendgottesdiensteAusflug für Senioren 3. Öffentlichkeitsarbeit über dieJährliches Jugendprojekt caritativen DiensteEIN Bildungswerk 4. Bildungswerkprogramm (milieu- übergreifend)SeelsorgeeinheitsgottesdienstElternarbeit bei FirmungTaufvorbereitungKrankenhausbesuchsdienst in allen Pfarrgemeinden

Unter „Abschied“ ist den Pfarrgemeinderäten in der gemeinsamen Aussprache nichts eingefallen, was die ganze SE betrifft außer der Verminderung der Bußgottesdienste. Die Pfarrgemeinderäte in Kettenacker plädierten für die Abschaffung der Rosenkranzandacht am Sonntag und die Feldhausener Pfarrgemeinderäte plädierten dafür, dass bei den jeweiligen Festen in Feldhausen (Musikfest) und Kettenacker (Bergfest) in der jeweils anderen Gemeinde kein Gottesdienst stattfindet. Bei Neufra wäre zu überlegen, ob sich die Pfarrgemeinde aus dem jährlichen Bike- und Nordic-Walking-Event zurückziehen sollte, da hier schwerlich ein Bezug zum kirchlichen Auftrag zu erkennen ist. Ebenso sollte auch einmal überlegt werden, ob die Pfarrgemeinde an der im zweijährigen Rhythmus zelebrierten dorffestlichen Wurst- und Bierkultur mit einem eigenen Stand/ Zelt partizipieren sollte, wenn man ohnehin schon in den dorffestfreien Jahren ebenfalls im zweijährigen Rhythmus ein eigenes Pfarrfest feiert. Das hat zur Folge, dass die meist ohnehin schon stark eingespannten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrgemeinde jedes Jahr durch die dörfliche Festkultur auch noch belastet werden. Mit dem Aufruf der Pastoralen Leitlinien zur Konzentration der Kräfte auf die ureigenen und wesentlichen Aufgaben der Kirche sind solche Aktivitäten kaum zu vereinbaren, zumal auf diese Weise das eigenständige Profil der Kirche verwischt wird.

8. Schluss und Ausblick

Rückblickend ist zunächst zuzugestehen, dass der Prozess der Entstehung dieser Pastoralkonzeption nicht optimal verlaufen ist. Am Ende ist man eben immer klüger. Eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Ebenen (Pfarrgemeinden

– Steuerungsgruppe –Gemeinsamer Auschuss ) und eine zeitige Einbindung der unterschiedlichen Gruppierungen wäre denkbar gewesen. Auch der Verfasser dieses Textes fragt sich nun am Schluss kritisch, ob er selbst vielleicht zu viel gemacht und damit möglicherweise andere in den Hintergrund gedrängt hat. Die

Gegenprobe, wo man heute stände, wenn er sich deutlich mehr zurückgenommen hätte, kann leider nicht gemacht werden. Der Blick auf die meisten anderen Seelsorgeeinheiten zeigt aber, dass die Pastoralkonzeption nur voran kam, wenn sich einer verantwortlich der Sache annahm.

Für die Zukunft haben alle Verantwortlichen der SE vor allem drei Aufgaben:

Die Umsetzung dieser Pastoralkonzeption leisten undIn regelmäßigen Zeitabständen den Stand der Umsetzung überprüfen undEntsprechend neuer Herausforderungen die Konzeption revidieren

Eine große Herausforderung ist darüber hinaus die Erstellung einer gemeinsamen Pastoralkonzeption zusammen mit der SE Trochtelfingen – Steinhilben bis 2014, da diese bis dahin mit unserer SE fusioniert sein muss. Insofern besitzt die vorliegende Pastoralkonzeption den Charakter eines Provisoriums.

Mit folgenden Worten des Apostels Paulus möge die Pastoralkonzeption ausklingen:

„Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet...! Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes!“(Römerbrief 12, 11-16)

„Schließlich, Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“(Philipperbrief 4,8)

„Jesus Christus aber, unser Herr und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort.“ (2. Thessalonicherbrief 2, 16-17)

Gammertingen, den 23. Februar 2010

Johannes Kerkhoff, Verfasser im Auftrag der SE Gammertingen

Leiter der Seelsorgeeinheit

Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses

Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Leodegar Gammertingen

Vorsitzender des Pfarrgemeinderats St. Nikolaus Feldhausen/ Harthausen

Vorsitzender des Pfarrgemeinderats St. Martin Kettenacker

Vorsitzender des Pfarrgemeinderats St. Mauritius Neufra

Gammertingen, den 23. Februar 2010