
Quelle: ch. wirtz

Quelle: ch. wirtz
Die St. Michaelskirche in Gammertingen
In die Zeit vor der urkundlichen Ersterwähnung Gammertingens im Jahr 1101 lässt sich die Geschichte der St. Michaelskirche zurückverfolgen. Als im Jahre 1981 Renovierungsarbeiten notwendig waren, führte das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg umfangreiche Ausgrabungen und Untersuchungen durch. Dabei wurde eine ununterbrochene Bebauung des Standorts seit dem frühen Hochmittelalter sowie ein stattliches Gotteshaus für das frühe 11. Jahrhundert nachgewiesen. Diese Kirche bestand aus einem Hauptschiff, sowie einem halb so breiten Seitenschiff im Süden. Im Schiff fanden die Archäologen bei den Ausgrabungen mehrere Gräber.
Dies alles lässt darauf schließen, dass das Gebäude ursprünglich zu einem Herrenhof gehörte und sich damit als „Eigenkirche“ im Besitz einer adligen Familie befand, die auch den Geistlichen entlohnte. Das Seitenschiff war dann für das Gesinde bestimmt, während das Hauptschiff der adeligen Familie vorbehalten war. In Betracht kommen hier die Grafen von Gammertingen. Dies würde mit einer Überlieferung des Zwiefalter Chronisten Ortlieb aus dem Jahre 1138 übereinstimmen. Danach wurde Graf Ulrich von Gammertingen von seiner Eigenkirche nach Zwiefalten überführt. Auch das Patrozinium des Hl. Michael spricht für ein hohes Alter. Michael gehört zu den Erzengeln und zeichnet sich vor allem durch seinen Kampf gegen das Böse aus.
Um 1100 ist das Gotteshaus durch Brand zerstört worden. Es wurde anschließend in erheblich kleinerem Umfang wieder aufgebaut, wobei man auf das Seitenschiff und den bisherigen Rechteckchor völlig verzichtete. Das Gotteshaus, das auf einer leichten Anhöhe über der Lauchert liegt, umgab später ein Friedhof, der jedoch im 17. Jahrhundert aufgegeben wurde. 1299 wurde ein St. Michaelsaltar erstmals urkundlich erwähnt, aber erst 1466 erfolgte eine eindeutige Nennung der Kirche. Im Dekanatsbericht des Dekanats Trochtelfingen aus dem 1575 heißt es, die St. Michaelskapelle sei ganz zerfallen.
Der heutige Bau stammt aus dem Jahre 1589 und wurde – wie auch die Sebastianskapelle in Feldhausen und weitere Kapellen in der Herrschaft Gammertingen – von Dorothea von Speth, geb. von Rechberg, finanziell gefördert
Wurde in den 60er Jahren die Michaelskirche während der Renovation der Pfarrkirche als Ausweichkirche genutzt, so war sie zu Beginn der 80er Jahre in so desolatem Zustand, dass eine grundlegende Renovation nötig war. Diese konnte am 1. Advent 1984 mit der Benediktion der Kirche abgeschlossen werden. 2009 wurden an der Kirche erneut umfangreiche Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt.
Das bedeutendste Ausstattungsstück ist der Hochaltar, der dem Kirchenpatron geweiht ist. Ihn schuf Thomas Kutzberger aus Biberach im Jahr 1674.
Im gesprengten Giebel steht der Erzengel Michael mit Schwert und Waage. Diese Figur wurde früher beim Jahrmarkt im Freien aufgestellt, um die Marktleute an Recht und Gerechtigkeit zu erinnern.
Zwei weitere Figuren, die heiligen Wendelin und Crispinus, stammen ebenfalls von der Hand Kutzbergers. Sie stehen heute auf Konsolen an den seitlichen Kirchenwänden.
Im Zuge der Renovation in den 80er Jahren erhielt die Kirche eine kleine elektronische Orgel, eine Heizung sowie farbige Glasfenster, die einen neuen Akzent in der Kirche setzen. Sie sind das Werk des Ulmer Künstlers Hermann Geyer (geb. 1934).
Im Rahmen der Renovierung wurden die beiden Seitenaltäre entfernt. Über ihnen hatte um 1860 Constantin Hanner die Rückwände gemalt.
Die Renovierung wurde endgültig durch die Anschaffung eines neuen Volksaltars und von Sedilien im Jahr 1985 abgeschlossen.
Heute dient die St. Michaelskapelle der Pfarrei Gammertingen vor allem als Gottesdienstraum für Werktags Gottesdienste.
Quellen: Gotteshäuser auf der Alb (Christian Würtz)
